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Die Bibel lesen

Walter Schroeder

16. April 2017

Woche vom 16. bis 22. April Ostersonntag: Lukas 24, 1-12 Ostermontag: Lukas 24, 13-35 Dienstag: Lukas 24, 36-49 Mittwoch: Lukas 24, 50-53 Donnerstag: Kolosser 1, 1-8 Freitag: Kolosser 1, 9-14 Samstag: Kolosser 1, 15-20

In allen Evangelien gibt es Überlieferungen, die von der Auferstehung nicht „formelhaft“, also im Stil eines ausgereiften Bekenntnisses sprechen, sondern in denen Osterereignisse schlicht und einfach erzählt werden. So wie gerade bei Lukas, bei dem schon zur Geburt keine „Theologie der Menschwerdung Gottes“ zu finden ist, sondern die Erzählung mit dem Stall und der Krippe und den Hirten und den Engeln. Auffällig ist, dass bei allen Bekenntnisformulierungen(1. Korinther 15 vor allem) Petrus als Garant benannt wird, während in den Erzählungen vor allem Frauen im Mittelpunkt stehen.

Bei Lukas, und nur bei ihm, folgt dann die wunderbare Geschichte von den beiden Jüngern, die nach Emmaus unterwegs sind. Sie sind verstört nach dem Geschehenen und enttäuscht. Der Leser weiß es bereits sehr früh, dass es Jesus ist, der sich den beiden dann zugesellte, und erlebt mit, wie der nur fragt und weiter fragt und unerkannt bleibt und ihnen nur durch die Schriften des alten, des ersten Testamentes, die Tora und die Propheten alles erklärt. Erst ganz zum Abschied gibt Jesus sich beim „Abendmahl“ zu erkennen oder besser: wird von den Jüngern begriffen, dass er es war, der mit ihnen unterwegs war. Wie gut können sich spätere Leser in die Lage dieer Jünger versetzen! Wie oft kommt es immer wieder vor, dass Menschen in der Nachfolge spüren, dass „er mit uns auf dem Wege ist“! Aber wie oft erst im Nachhinein! Und wie gut, wenigstens in solcher Erzählung einmal die Rolle dessen einzunehmen, der schon von Beginn an eingeweiht ist und alles weiß! Und womöglich sogar fragt: Warum haben die solche Scheuklappen und kapieren nicht?

Mit dem Kapitel 24 ist das Werk des Lukas nicht zu Ende! Es besteht aus zwei Teilen, die später nur aus zufälligen Gründen im Kanon des Neuen Testamentes auseinander gerissen wurde. In der Bibellese wird der „lukanische Faden“ Mitte Mai mit der Apostelgeschichte wieder aufgenommen.

Jetzt aber ist zunächst der Kolosserbrief dran, gefolgt von dem Propheten Joel Anfang Mai, eine gute Möglichkeit für den Vergleich der Verkündigung vor und nach der Auferstehung. Der Brief an die Gemeinde in Kolossä gilt als Paulusbrief. Das stimmt auch vom Inhalt her. Dennoch ist es ziemlich wahrscheinlich, dass dieser Brief von seinen Nachfolgern gewissermaßen in seinem Sinn verfasst worden ist und nicht von ihm selbst, um – so würde man es heute sagen – die Krise, die nach seinem Tod ausgelöst worden ist, zu überwinden.

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