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Hallo, Gott – sag mir mal, wo du dich versteckst? Gottes Spuren zu entdecken, ist nicht immer einfach. Da muss man sich so konzentriert auf die Suche machen, wie der Junge mit der Lupe. Und wie er , wird man die Wunder im Kleinen, Unscheinbaren finden; in den Gegenständen und Handlungen des Alltags. Denn Gottes Zeichen fallen nicht vom Himmel, meint die Autorin unserer Andacht. Sie sind mitten unter uns. Foto: Christin Lola
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Britta Möhring (54) ist Schulpfarrerin an der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck.

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Augen auf!

Andacht

Von Britta Möhring | 12. März 2017

Über den Predigttext zum Sonntag Reminiscere: Matthäus 12, 38-42

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Hallo, Gott – sag mir mal, wo du dich versteckst? Gottes Spuren zu entdecken, ist nicht immer einfach. Da muss man sich so konzentriert auf die Suche machen, wie der Junge mit der Lupe. Und wie er , wird man die Wunder im Kleinen, Unscheinbaren finden; in den Gegenständen und Handlungen des Alltags. Denn Gottes Zeichen fallen nicht vom Himmel, meint die Autorin unserer Andacht. Sie sind mitten unter uns. Foto: Christin Lola
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Britta Möhring (54) ist Schulpfarrerin an der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck.

Predigttext
Da antworteten ihm einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern und sprachen: Meister, wir wollen ein Zeichen von dir sehen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht fordert ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden außer dem Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. (...)
Luther 2017

Im Unterricht der Oberstufe. Schüler: „Wenn es Beweise für Gott gäbe, dann würde ich ja glauben.“ Ich: „Welcher Beweis würde dich so überzeugen, dass du glauben kannst?“ Schüler: „Na, wenn … wenn zum Beispiel jemand geheilt wird, der unheilbar krank ist.“ Ich: „Ist das ein eindeutiger Beweis für Gott? Man könnte doch auch andere Begründungen dafür finden: starke Selbstheilungskräfte; Zufall; ein neues Medikament, das auf einmal anschlägt …“

Ich frage: „Wie kommt man zum Glauben an Gott? Wie hat das bei euch angefangen, bei denen, die an Gott glauben?“ Und sie erzählen dann von der Oma, die mit ihnen abends gebetet hat oder von einem tollen Jugendmitarbeiter auf der Konfi-Freizeit, dem der Glaube an Gott ganz wichtig war oder von anderen Menschen, die ihnen den Glauben nahegebracht haben.

Glauben lehren heißt: Vertrauen vorleben

Den Glauben nahebringen, das heißt auch das Vertrauen vorleben, das Vertrauen, dass der Glauben trägt, Kraft hat, Sinn gibt. Ich habe noch nie erlebt, dass Jugendliche erzählen, dass es ein Wunder war, das sie zum Glauben gebracht hat oder „ein Zeichen“, das irgendwie vom Himmel gefallen ist.
Und trotzdem ist da die Sehnsucht nach einem Zeichen, die Sehnsucht nach Eindeutigkeit, nach Beweisen.

So auch bei den Schriftgelehrten und Pharisäern, die mit Jesus diskutieren: „Meister, wir möchten gerne ein Zeichen von dir sehen.“ Etwas überraschend, dieser Wunsch. Denn die Geschichten vor unserem Predigttext erzählen doch von Zeichen: Jesus heilt einen Mann, der eine verdorrte Hand hatte. Ein Besessener, der blind und stumm war, beginnt in Jesu Gegenwart wieder zu reden und zu sehen. Und Jesu Antwort auf die Frage Johannes des Täufers „Bist du es, der da kommen soll?“ verweist genau auf diese Zeichen: „Sagt Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ (Mt 11,4f.)

Vielleicht ist das der Grund, warum Jesus so schroff, so hart reagiert. Die Zeichen sind doch da, macht die Augen auf und seht!, sagt er den Fragenden.
Warum fragen die Menschen nach Zeichen, nicht nur die Pharisäer und Schriftgelehrten, nicht nur die Jugendlichen? Vielleicht, weil wir immer mal wieder Stärkung brauchen, dass es richtig ist, Jesus auf seinem Weg nachzufolgen. Und Zeichen würden uns auch helfen, wenn uns andere nach unserem Glauben fragen.
Aber Zeichen fallen nicht vom Himmel, sondern wir müssen sie suchen. Der Bibeltext weist uns eine Richtung, wo und wie wir Zeichen finden können: in und bei Menschen, die Zeugen dafür geworden sind, dass Aufbruch, Umkehr und Neuanfang möglich ist. Das machen die Menschen von Ninive deutlich. Und auch Jona ist ein solches Zeichen geworden, auch und vielleicht gerade in seiner Zwiespältigkeit: Erst läuft er weg vor dem Auftrag Gottes. Und dann ist es genau seine Bußpredigt in Ninive, die die Menschen dort zur Umkehr bewegt. Jona in seinem Ringen mit seinem Auftrag und mit dem gnädigen Gott wird zum Zeichen für uns und auch zum Zeichen für den Menschensohn.

Der Weg des Jona als Glaubenszeichen

Reminiscere – „erinnert euch“ heißt dieser Sonntag. Erinnert euch: an die Propheten und ihre Zeichen und an die Zeichen, die Jesus getan hat, von denen uns in den Evangelien erzählt wird. Lasst uns gegenseitig daran erinnern – und dann lasst uns nach Entsprechungen suchen: Wo sehen wir heute Zeichen von Gottes Wirken in der Welt? Wo erleben wir Menschen, die aufbrechen und umkehren und einen Neuanfang wagen, wie die Niniviten? Wo ringen Menschen mit ihrem Auftrag, mit Gott und machen sich trotzdem auf den Weg und erfüllen ihren Auftrag, wie Jona?

Gebet: Treuer Gott, lass uns gegenseitig uns erinnern an all die Zeichen, die wir von dir haben. Lass uns wie Jona um unseren Auftrag ringen. Und wenn es möglich ist, lass uns selbst zum Zeichen dafür werden, dass unser Glaube und unser Vertrauen uns trägt im Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Menschlichkeit. Amen.

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