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Motivwagen zum 500. Reformationsjubiläum Fotos: epd
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«Weck, Worscht un Woi» anstelle der Thesenpapiere
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Luther im Karneval

Brauchtum

17. Februar 2017

Kirche präsentiert Luther-Motivwagen für Mainzer Rosenmontag

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Motivwagen zum 500. Reformationsjubiläum Fotos: epd
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«Weck, Worscht un Woi» anstelle der Thesenpapiere

Mainz (epd). Anderthalb Wochen vor dem Mainzer Rosenmontagsumzug hat die evangelische Kirche am Donnerstag ihren Motivwagen zum 500. Reformationsjubiläum vorgestellt. Dessen zentrales Element ist eine 3,40 Meter hohe Luther-Figur aus Styropor. Der in einen Talar gekleidete Reformator steht vor einer stilisierten Kirchentür, hält in der rechten Hand einen Hammer, in der linken aber anstelle seiner Thesenpapiere einen Hirtenstab mit Brötchen, Fleischwurst und Wein («Weck, Worscht un Woi»).

Dabei soll der Motivwagen von einem Posaunenchor begleitet werden, der unter anderem eine fastnachtstaugliche Version des Luther-Chorals «Ein feste Burg ist unser Gott» zum Besten gibt. Auf dem Wagen sollen rund 25 haupt- und ehrenamtliche Kirchenmitarbeiter sowie Vertreter der Evangelischen Jugend mitfahren. Auf dem Weg durch die Mainzer Innenstadt wollen die närrischen Protestanten 1.000 Kilo Lutherbonbons und 1.000 Playmobil-Lutherfiguren in die Menge werfen.

Den Auftritt der Protestanten bei der Mainzer Straßenfastnacht bezeichnete der evangelische Mainzer Dekan Andreas Klodt als «Abenteuer». «Luther war auch ein Mensch der Lebensfreude, und Mainz ist eine Stadt der Lebensfreude», sagte er. Für den Mainzer Wagenbauer Dieter Wenger, der seit 55 Jahren Fastnachtsmotivwagen gestaltet, ist das Lutherprojekt ebenfalls ein Novum. Bislang sei die Kirche immer nur unfreiwillig Thema des Mainzer Rosenmontagsumzugs geworden, sagte er: «Ich habe hier schon ein paarmal den Papst gehabt, aber Luther jetzt zum ersten Mal.»

Allein für den Bau des Motivwagens stellten Dekanat und Landeskirche 35.000 Euro bereit. Der Lutherwagen soll im Laufe des Jahres bei weiteren Großveranstaltungen erneut verwendet werden. Geplant ist unter anderem, ihn am 3. Oktober zu zeigen, wenn in Mainz die zentrale Feier zum Tag der Deutschen Einheit stattfindet. Ähnliche Fastnachtswagen zum 500. Jubiläum der Reformation gibt es auch in Düsseldorf und Braunschweig.

 

Bei der Mainzer Fastnacht gibt es zu jedem Rosenmontags-Motivwagen ein kleines Gedicht im Mainzer Dialekt. Der Luther-Sechszeiler lautet in hochdeutscher Fassung:

«Seit 500 Jahr' gibt's Protestanten

weil Luthers Thesen Anklang fanden.

Der Mensch ist Sünder und doch frei -

für manchen ist das Narretei.

Doch Luther lässt sich nicht beirren:

Bibel, Weck, Worscht, Woi trotz allen Wirren.»

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Leser-Kommentare öffnen

Matthäus53, 17. Februar 2017, 15:24 Uhr


Ob dieser Luther-Kommers unbedingt so gut ist, sei dahin gestellt, aber es steht auch geschrieben, wer nicht gegen mich ist, ist für mich, laßt sie gewähren! Wahrscheinlich ists eine moderne , karnevalistische Art der Verkündigung. Es muß aber auch so ganz nebenbei bemerkt werden, daß auch Jesus, als er nach Jerusalem einzog, vom Volk bejubelt wurde, welches an der Straße stand. Danach erfolgte Verurteilung , Kreuzigung und letztendlich die Krönung, "Ostern".
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Erika Moers, 17. Februar 2017, 17:32 Uhr


Auf diese Parallele wäre ich nicht gekommen - interessant! Und dann stellt sich ja zugleich die Frage nach dem „Volk“, das so unerträglich je nach „Wetterlage“ reagiert.
Ach!
Lassen wir unseren Martin Luther nur den ersten Teil erleben ;-)
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Atlantica, 17. Februar 2017, 19:55 Uhr


Also, ich finde diese LutherFigur für den Karneval häßlich. Da gibt es schönere Darstellungen, zum Beispiel vor der Marktkirche in Hannover ;-)
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bga, 19. Februar 2017, 4:45 Uhr


Ich bekenne mich als jemand von vorgestern, der für den Karneval nie was übrig hatte und hat. Abgesehen davon stolpere ich (wieder von vorgestern) über 35,000 Euro. Geld zu schade für so etwas. So gehen die Meinungen auseinander. Kein Grund zur Aufregung - oder doch?
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Erika Moers, 20. Februar 2017, 7:36 Uhr


Kein Grund zur Aufregung, bga! Zu allen Zeiten gab es da begeisterte Mitmacher und Gegner.
In meiner kleinen Stadt in Lippe planen sie sogar das allererste Mal einen KarnevalsUmzug, was mich ziemlich verblüfft. Mal sehen . . .
Aber wenn sie in Mainz unserem Martin Luther noch ein Weniges mehr an Popularität verschaffen - das kann uns doch nur Recht sein.
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Atlantica, 20. Februar 2017, 13:30 Uhr


Liebe Frau Moers, dass Martin Luther im Jahr 2017 an Popularität gewinnt, ist ein nett gemeintes, Entschuldigung, Ammen-Märchen. Für Luther interessiert sich niemand (außer uns) mehr. Und vielleicht ist es auch ganz gut, denn die Schattenseiten Luthers, die seit etwa zehn Jahren erst bekannt werden, sind doch nicht gerade kirchen-förderlich...

Freundlichen Gruß
Atlantica
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Schallblech, 20. Februar 2017, 14:20 Uhr


Lieber Atlantica,
das stimmt so nicht. Viele Katholiken, auch Amtsträger, sind hochinteressiert an der Thematik. das haben wir gerade bei den Veranstaltungen am Wochenende gemerkt.
http://www.kirchenkreis-arnsberg.de/aktuell/artikel/archive/2017/feb/article/ohne-luther-waere-die-welt-aermer-gemeinsamer-festakt-zum-reformationsjubilaeum-der-kirchenkreise/?tx_ttnews%5Bday%5D=20&cHash=a1112e94b4451fdb9fd579354008a90c (Ich hoffe mal, daß der Link funktioniert)
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Atlantica, 20. Februar 2017, 16:37 Uhr


Dieser link macht mich nachdenklich. Danke, Schallblech, dafuer.

Das Glas ist ja halb voll. Noch besteht die Chance auf Versoehnung. Der Karneval weckt in mir als Nicht-Rheinlaender nicht nur gute Emotionen und Erinnerungen. Der Alkohol, vor dem Luther auch gewarnt hat, moeglicherweise im Alter doch auch sein Problem? Der verantwortungslose Wahnsinn, den dieser grosse bedeutende Mann im Alterszorn von sich gegeben hat: Luthers Haltung ggue. den Juden.
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Erika Moers, 20. Februar 2017, 18:05 Uhr



Überall im Land, lieber Herr Atlantica, wird doch mit viel Fantasie der Reformation gedacht; Manches sagt einem spontan zu, Manches vielleicht eher nicht. Mir z.B. sagt der Begriff „Christenfest“ nicht besonders zu; aber auch hier sind wieder Menschen „am Werk“ mit all ihren unterschiedlichen Ideen und Verständnissen - so wie einst Martin Luther eben auch mit seinen Schwächen „am Werk“ gewesen ist. Unbestritten aber ist doch, dass mit ihm und nach ihm eine Wende eingesetzt hat, die es wohl verdient, bedacht zu werden. Und das Interesse wächst, das kann man wohl beobachten.
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Atlantica, 20. Februar 2017, 19:04 Uhr


Liebe Frau Moers, danke für ihren Beitrag. Unbestritten ist, dass Martin Luther viel Gutes bewirkt hat, das auch heute international nicht ohne Bedeutung ist. Bestritten wird aber zu Recht, Luther sei der erste Aufklärer gewesen. Die aufklärerischen Ideen stammen nicht zuletzt von Gottfried Wilhelm Leibniz, der seinerseits schon ökumenisch gedacht hat. - Heute aber gibt es im wesentlichen nur zwei Fraktionen (neben vielen qualifizierten Einzelmeinungen): die kirchentreuen Luther-Anhänger und die Gegner der Kirche, die nur Wissenschaft unter ihren Prämissen gelten lassen. Obwohl ich ein Luther-Fan bin, sind mir beide Positionen zu kurz gegriffen.
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Schallblech, 21. Februar 2017, 9:36 Uhr


Daß man Luther als Aufklärer bezeichnen könnte, erscheint mir auch zu weit hergeholt. Seine Gedankenwelt steckte noch mitten im Mittelalter. Sein Verdienst: er hat sich nach langem Ringen und tiefen Zweifeln an sich selbst auf die Bibel zurückbesonnen und - erstmals seit Bischof Cyprian im 3. Jahrhundert - die entscheidenden Paulusworte für sich (wieder)entdeckt, die von der Amtskirche offenbar geflissentlich ignoriert oder nicht verstanden (oder gar unterdrückt?) wurden. Mit Aufklärung hat das sicher nichts zu tun.

Das mit den zwei Fraktionen kann ich nicht bestätigen. Mein Eindruck ist, daß es da auch sehr viel dazwischen gibt. Vom kirchentreuen Lutheraner, der sich sehr wohl der Schattenseiten des großen Reformators bewußt ist, bis zum Kirchenfernen, der sich interessiert über Luthers Werk informiert.
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Atlantica, 21. Februar 2017, 13:35 Uhr


Schallblech, dem kann ich mich, denke ich, anschließen. Es bleibt abzuwarten, was die Entwicklung in der Welt bringt.
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