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Erstaunlich, was aus einem Samen so alles wachsen kann. Welche Kraft in so einem Körnchen steckt, dass es einen Keimling entwickelt, dann einen kleinen Stengel und zarte grüne Blätter. Scheinbar ganz von selbst läuft dieser Vorgang ab. Wir können nur für gute Bedingungen sorgen, der Rest geschieht ohne unser Zutun – und es geht nicht besser oder schneller, wenn wir uns mühen und sorgen. So ist es mit Gottes Reich, sagt Jesus: Säen, vertrauen – und dann ernten. Foto: amenic181
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Dietrich Schneider (50) ist Diakon und Öffentlichkeitsreferent im Evangelischen Kirchenkreis Unna und Vorsitzender des Berufsverbandes Gemeindepä­dagogik Westfalen-Lippe.

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Gott liebt das Wachsen

Andacht

Von Dietrich Schneider | 19. Februar 2017

Über den Predigttext zum Sonntag Sexagesimä: Markus 4, 26-29

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Erstaunlich, was aus einem Samen so alles wachsen kann. Welche Kraft in so einem Körnchen steckt, dass es einen Keimling entwickelt, dann einen kleinen Stengel und zarte grüne Blätter. Scheinbar ganz von selbst läuft dieser Vorgang ab. Wir können nur für gute Bedingungen sorgen, der Rest geschieht ohne unser Zutun – und es geht nicht besser oder schneller, wenn wir uns mühen und sorgen. So ist es mit Gottes Reich, sagt Jesus: Säen, vertrauen – und dann ernten. Foto: amenic181
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Dietrich Schneider (50) ist Diakon und Öffentlichkeitsreferent im Evangelischen Kirchenkreis Unna und Vorsitzender des Berufsverbandes Gemeindepä­dagogik Westfalen-Lippe.

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Predigttext
Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Die Gleichnisse Jesu sind die hohe Kunst des Predigens: Jesus nimmt ein Bild aus der bekannten Alltagswelt, das zunächst überhaupt nicht theologisch oder philosophisch anmutet. Es ist die Alltagswelt der Menschen, denen er begegnet. Er leiht sich seine Bilder aus dem Handwerk, aus Haus- und Küchensituationen und im vierten Kapitel des Markusevangeliums sind es gleich drei Bilder aus der Landwirtschaft. So auch das Gleichnis vom Aufwachsen der Saat. Mit solch einem einfachen Bild erklärt Jesus die ganz großen Zusammenhänge: „Mit dem Reich Gottes ist es wie…“.

Jemand hat eine Hoffnung

Aktiv ist zunächst ein Mensch. Jemand hat ein Ziel, eine Hoffnung: Das, was ich hier mit der Aussaat beginne, hat Sinn. Mein Handeln ist auf Wachstum angelegt. Das kennen wir: Wir haben eine Idee, wie wir Gottes Wort verkündigen oder Gutes tun wollen, planen und hoffen und geben einen Anstoß. Dann beginnt die Arbeit: Planungsrunde, Steuerungskreis, Vorbereitung. Da greift eine Hand in die andere, wir tun alles dafür, dass es gut wird. Ganz anders im Gleichnis. Unser Sämann legt sich erst mal schlafen. Er sieht zu, was da geschieht. Geduldig Tag um Tag. Und siehe da: Der Keim geht auf und wird groß. Wir lesen sogar: „er weiß nicht wie“. Es bleibt ihm ein Rätsel. Das erhoffte Ergebnis stellt sich von selbst ein.

Welch ein Gegenbild zu unserer Geschäftigkeit. Das Reich Gottes wächst, während wir schlafen. Es entsteht in seiner ganzen Schönheit und Fülle und wir können nichts dazu tun. Gut wird es, weil es im Samen so angelegt ist und weil Sonne und Regen das Nötige dazu tun. Erst, wenn die Frucht reif ist, wird der Bauer aktiv, er kommt, um die Ernte einzufahren.

Wir halten das ja kaum aus: Mit aller Professionalität wollen wir doch Prozesse begleiten und gestalten, wollen Gemeindewachstum organisieren, sehen uns in der Verantwortung für das große Ganze. Nur, um dann hier zu lesen: Es geschieht nur, weil Gott es will. Wir selbst sind nicht in der Lage, etwas dazu zu tun.

Vertrauen, nicht selbst machen

Ich lese den Text nicht als Aufforderung, die Hände nun in den Schoß zu legen und mich in Sachen Gemeindewachstum schlafen zu legen. Gerade am Anfang und am Ende der Geschichte bekommt der Sämann ja eine wesentliche Rolle zugedacht. Er sät. Und er erntet. Und er vertraut darauf, dass Gott dazwischen wirkt. Er ist nicht mehr Macher, der für jeden Schritt des Wachstums geradesteht. Er darf staunen, darf sich am Wachsen freuen und dabei sein, wenn das Wachstum zu einem guten Ende gekommen ist. Welch eine Zusage in Zeiten, in der Burnout längst in die kirchliche Arbeit Einzug gehalten hat und Ehrenamtliche wie Hauptamtliche die Verdichtung von Aufgaben beklagen. Das Gleichnis ermutigt uns, das Nötige zu tun. Es ermutigt uns, darauf zu vertrauen, dass Gottes Geist wirkt „wo er will“ (Johannes 3,8). Es erinnert uns daran: Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand. (aus: „Wir pflügen und wir streuen“).

Gott liebt es, wenn es wächst und sprießt

Solch ein zweitausend Jahre alter Vergleich braucht immer auch eine Übertragung. Gerade die Vergleiche aus dem Ackerbau sind eben nicht mehr in der Lebenswelt der meisten Menschen unserer Zeit zu finden. Wer glaubt, Kühe seien lila oder Kartoffeln würden in Netzen wachsen, dem fehlt die Übertragung selbst eher schwer. Wer hat, wenn man nicht zu den Landwirten oder Gartenliebhabern gehört, schon in letzter Zeit selbst einen Samen ausgeworfen? Vielleicht ist das ja eine gute Gelegenheit, doch mal wieder das Wunder einer selbst wachsenden Saat zu erleben, und sei es nur auf der Fensterbank. Und während es da so wächst und keimt, sich daran zu erinnern: Gott liebt es, wenn es wächst und sprießt. Er ist es, der seinen Segen dazu gibt. Sei es bei einer Frühlingsblume oder in seiner Kirche.

Gebet: Guter Gott, gerne haben wir alles in der Hand. Doch wir wissen oft nicht, wieso etwas gelingt oder nicht. Schenke uns die Zuversicht in deine schöpferische Kraft. Gib uns beides: den Mut zum ersten Schritt und die Gelassenheit, dir zu vertrauen. Du schenkst Wachstum und Werden, dafür danken wir dir. Amen.

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