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„Presbyterium macht mir einfach Spaß“

Portrait

10. Februar 2017

Karl Fordemann ist seit über 16 Jahren Presbyter – für ihn eine Möglichkeit, Kirche zu gestalten

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„Eine Sitzung im Monat. Viel mehr ist das nicht.“ So hatte der Pfarrer damals um Kandidaten fürs Presbyterium geworben. Heute muss Karl Fordemann, Jahrgang 1953, über diese kleine Verdrehung der Tatsachen lachen. Seit mehr als 16 Jahren ist er jetzt Presbyter der Evangelisch-reformierten Petri-Gemeinde in Herford, und er weiß, dass dieses Amt sehr viel mehr Arbeit bedeutet – „und trotzdem macht es mir einfach Spaß“, sagt er.

Zu den monatlichen Sitzungen kommen Sonntagsdienste im Gottesdienst, Ausschüsse, Gespräche mit Gemeindegliedern, Termine mit Verantwortlichen beim Kirchenkreis, Aushilfe im Konfi-Unterricht oder beim Stühlerücken in der Kirche. Oder auch ein Überraschungsanruf vom Pfarrer, der auf die Schnelle noch zwei Übernachtungsgäste unterbringen muss. „Wenn ich auf dem Handy-Display seine Nummer sehe, überlege ich schon einen Moment lang, ob ich gerade genug Zeit und Kapazität habe“, erzählt Fordemann mit einem Augenzwinkern. Aber: „Es lohnt sich. Und wie!“, sagt er überzeugt. „Die Qualität des Gemeindelebens hängt doch davon ab, dass Gemeindeglieder sich engagieren. Es geht ja um Themen, die die Menschen betreffen.“

Themen, die die Menschen betreffen

Konfi-Unterricht als Block-Modell, Aufbau eines Besuchskreises, Einführung neuer Gottesdienstformen – an vielen solcher Entscheidungen war Fordemann beteiligt. In seine Zeit als Presbyter fallen außerdem der Verkauf des Gemeindehauses, der Umbau der Kirche zum Gemeindezentrum und eine Pfarrwahl. Viel Arbeit, viele Diskussionen, auch Konflikte – aber eben auch die Möglichkeit, das Gemeindeleben aktiv zu gestalten. Zum Beispiel beim Kirchenumbau: „Da haben wir neun Monate lang Gottesdienst im Gemeindehaus gefeiert und danach Baustellenführungen in der Kirche veranstaltet“, erzählt er. Der augenfällige, bewusst moderne Anbau an das historische Kirchengebäude habe natürlich nicht jedem gefallen. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Früher war die Kirche zum Gottesdienst am Sonntag geöffnet. Seit der Umgestaltung ist hier jeden Tag etwas los“, betont Fordemann.
Wichtig ist dem ehemaligen Unternehmer die Zusammenarbeit im Presbyterium. „Die Verantwortung ruht auf vielen Schultern“, erklärt Fordemann. „Wir bemühen uns um Einvernehmen, und wenn jemand gegen einen Beschluss stimmt, ist er trotzdem bereit, ihn in der Gemeinde mitzutragen. Das ist sehr wohltuend.“ Dabei spielen die Stimmung in dem Gremium und der gute Kontakt zum Pfarrer für ihn eine wichtige Rolle.

Die Presbyteriumssitzungen können sich schon mal bis spät in den Abend ziehen – „ich sage meiner Frau immer, dass ich nicht weiß, wann ich zurück bin“, sagt Fordemann schmunzelnd. Aber die Arbeitsatmosphäre ist angenehm. Und dass immer mal wieder jemand einen Kuchen oder eine Flasche Wein mitbringt, trägt zur guten Stimmung bei.

Verbesserungsmöglichkeiten sieht der ehemalige Unternehmer in der Zusammenarbeit mit der Ebene des Kirchenkreises. „Da gibt es so eine grundsätzliche Abwehrhaltung“, hat er beobachtet. Dabei sei es doch sinnvoll, die Kompetenz der jeweiligen Arbeitsbereiche zu nutzen, etwa bei Bauvorhaben oder bei juristischen Fragen. Seitdem Fordemann auch im Kreissynodalvorstand sitzt, hat er einen noch größeren Einblick in diesen Bereich. Sein Vorschlag: Einfach mal einen Fachmann ins Presbyterium einladen, um ihn und seinen Arbeitsbereich kennenzulernen – oder einen Presbytertag in der Kirchenkreis-Verwaltung organisieren. Denn: „Wenn man sich persönlich kennt, hat man gleich eine ganz andere Vertrauensbasis.“

Die reformierte Gemeinde in Herford wächst. Das liegt, so beobachtet Fordemann, an der offenen, zugewandten Haltung, die hier gelebt wird. „Wenn jemand neu ist im Gottesdienst, wird er angesprochen. Das macht Lust, wiederzukommen.“ So hat er es mit seiner Familie selbst erlebt, als er nach einer Zeit in Süddeutschland nach Herford zurückkehrte. „Mich haben sie dadurch gewonnen“, erzählt er lachend. 16 Jahre Engagement als Presbyter erzählen davon. Und es geht noch mehr: In Kürze wird er eine Ausbildung als Notfallseelsorger beginnen.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 11. Februar 2017, 7:33 Uhr


Nicht, dass ich eine Spass-Bremse sein wollte. Den Gedanken, dass man etwas Sinnvolles und Hilfreiches gerne tut, habe ich als wahr erfahren. Aber ist nicht der Begriff "Spass" viel zu oberflächlich für ein so wichtiges Amt? - Sicher, Karl Fordemann meint es ja gut, es besteht kein Anlass zur Kritik. Und doch: oft habe ich erlebt, dass in kirchlichen Gruppen der Spass-Faktor auf eine Weise entwickelt hat, dass die Not der und der Einzelnen in der Glückseligkeit des Augenblicks nicht mehr gesehen wurde. Darum hat wohl Martin Luther auch gepredigt, das ganze Leben solle "Buße" sein. Das erscheint wohl heute als unattraktiv und damit poliert man auch das Image (unter den Talaren...) von Kirche auf. Wie dem auch sei, Menschen sind Individuen und ich wollte ja nur mal drauf hinweisen. >Viel Spass also weiterhin.
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Schallblech, 11. Februar 2017, 8:42 Uhr


Ich vermute, daß er statt "Spaß" im karnevalistischen Sinne eher "Freude" meint, was ich gut nachvollziehen kann. Mitarbeit oder gar Vorsitz in einem Presbyterium macht nicht immer Spaß, ist aber eine große Freude.

Bei uns ist die Stimmung auch immer gut (ohne Wein ;)), das stellte jetzt sogar der Vorsitzende des katholischen KV nach einer gemeinsamen Sitzung mit dem ökumenischen Arbeitskreis fest. Wir gehen nicht in den Keller zum Lachen, wie man uns früher nachgesagt hat.
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Atlantica, 11. Februar 2017, 9:13 Uhr


Erfreulich, Schallblech :-)


Martin Luther hat gerne mal getrunken und dennoch vor den Gefahren des Alkohols gewarnt. Das Thema ist für mich abgeschlossen. Noch eine Bemerkung zum Verhältnis Verwaltung - Kirche "intern":

Hier besteht eine "Abwehrhaltung" seitens des Verwaltung. Logo ;-) Die Verwaltung lebt in einer Art Schlaraffenland (na ja, arbeiten tun die auch: aber bloß nicht nach Feierabend). Also, ich kann das verstehen und "ökonomische Zwänge" sind nicht alles. Kirche lebt doch auch von der Lockerheit. Fordemann dagegen ist Unternehmer und will wie Paulus den vollen Einsatz der Menschen. Die Petri-Gemeinde Herford scheint vorbildlich zu sein, was die alles auf die Reihe stellen...
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