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Kirche im Aufbruch

Interview

10. Februar 2017

Finanzfragen sind aus den Presbyterien zwar nicht gänzlich verschwunden, aber sie beherrschen die Arbeit nicht mehr. Es geht wieder mehr um Inhalte und darum, eine einladende Gemeinde zu sein. Das meint Ingo Neserke vom Amt für missionarische Dienste

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Ingo Neserke Foto: AMD

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Zu ihrem fünften Tag der Presbyterinnen und Presbyter hat die Evangelische Kirche von Westfalen für den 11. Februar nach Dortmund eingeladen. Durchgeführt wird der Tag, der gefüllt ist mit Vorträgen und Arbeitsgruppen, vom Amt für missionarische Dienste. Mit dessen neuem Leiter Ingo Neserke sprach Annemarie Heibrock über aktuelle Herausforderungen für Presbyterien und über Entwicklungen, die Hoffnung machen.

Beim Tag der Presbyterinnen und Presbyter bieten Sie ein sehr vielfältiges Angebot an Vorträgen und Arbeitsgruppen. Wo drückt denn Ihrer Meinung nach in den westfälischen Gemeindeleitungen der Schuh am heftigsten?
Ich habe den Eindruck, dass der „drückende Schuh“ gar nicht so sehr der Anlass ist, warum sich Presbyterinnen und Presbyter zu diesem Tag anmelden. Vielmehr bemühen sich die Presbyterien meiner Wahrnehmung nach mit großem Engagement darum, ihre Gemeinden weiterzuentwickeln und Menschen neu zu erreichen.

Spiegelt sich das in den Anmeldezahlen für die Veranstaltungen des Presbytertages?
Ja. Wir haben die meisten Anmeldungen in den Bereichen, wo es um das Thema „Einladende Gemeinde“ und um die Weiterentwicklung der Gemeindearbeit geht. Ich finde das sehr beeindruckend: dass sich die Presbyterinnen und Presbyter nicht vorrangig mit sich selbst und ihren eigenen Problemen im Amt befassen, sondern dass es ihnen offenbar um die Zukunft der Gemeinde, die Zukunft der Kirche geht.

Spielen da auch Fragen von Spiritualität und Gottesdienst eine Rolle?
Das ist in der Tat der zweite große Themenkomplex, der sehr gut nachgefragt ist. Offenbar ist das Interesse groß, darüber nachzudenken, wie etwa mit einer anderen Gestaltung der Gottesdienste Menschen gewonnen werden können, die sonst keine Verbindung zur Gemeinde haben. Dabei geht es auch um die eigene geistliche Verantwortung der Presbyterinnen und Presbyter – zum Beispiel in der Vorbereitung und Gestaltung von Andachten.

n Das scheint eine neue Entwicklung zu sein. Vor wenigen Jahren noch standen doch in den meisten Gemeinden Struktur- und Finanzfragen absolut im Vordergrund…
Das stimmt. Aber schon während  meiner Amtszeit als Superintendent hatte ich den Eindruck, dass diese Fragen allmählich in den Hintergrund treten – und zwar nicht nur kurzfristig. Natürlich bleiben sie weiterhin wichtig. Das beweist  auch die gute Nachfrage nach den Angeboten im Forum „Unsere Kirche und ihr Geld“; vor allem Kirchmeisterinnen und Kirchmeister sind daran interessiert. Aber die Grundhaltung ist keine depressive mehr. Im Zentrum steht die Frage nach einem guten und sinnvollen Umgang mit den Ressourcen, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Eine erfreuliche Entwicklung, oder?
Allerdings. Eine Entwicklung, die Hoffnung macht, weil sie zeigt, dass die Presbyterien nach zum Teil schmerzlichen Umbrüchen offenbar wieder verstärkt ihren eigentlichen Auftrag in den Mittelpunkt rücken, dass da ein großer Gestaltungswille vorhanden ist.  Deswegen spreche ich ungern davon, dass irgendwo der Schuh drückt. Im Gegenteil:  Es geht, um das Bild Ihrer Eingangsfrage noch einmal aufzugreifen, darum, gemeinsam wieder Schritte voran zu gehen. „Kirche im Aufbruch“ – so würde ich die gegenwärtige Entwicklung charakterisieren. Bei diesem Aufbruch will der Tag der Presbyterinnen und Presbyter den Ehrenamtlichen Unterstützung und Anregungen bieten.

Was können Sie tun, damit die Impulse und Anregungen, die die Presbyterinnen und Presbyter von dem Dortmunder Tag mit nach Hause nehmen, im Alltagsgeschäft der Gemeindeleitung nicht versanden?
Die Gefahr besteht tatsächlich. Deshalb halten wir es für eine wichtige Aufgabe, die Presbyterien weiterhin zu begleiten. So bietet unser Amt immer wieder Fortbildungen zu verschiedenen Themen, die die Gemeindeleitungen beschäftigen. Der Tag für Presbyterinnen und Presbyter, der ja alle vier Jahre vom Amt für missionarische Dienste gemeinsam mit den anderen Ämtern und Instituten unserer Landeskirche ausgerichtet wird, ist in dieser Hinsicht ein hervorragender Seismograph. Hier erfahren wir, was von Interesse ist, wo die Presbyterien Hilfe und Unterstützung brauchen. Auch alle anderen beteiligten Einrichtungen unserer Landeskirche nehmen die Fragestellungen der Dortmunder Veranstaltung mit für ihre zukünftigen Planungen.
Mit allem versuchen wir, sowohl hauptamtlich als auch nebenamtlich Leitende in den Gemeinden anzusprechen, damit sie gemeinsam  die Zukunft der Gemeinde gestalten können.

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