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Hindernisse für die Ökumene

Ökumene

Von Marcus Mockler | 7. Februar 2017

Der Tübinger Kirchenhistoriker Volker Leppin sieht trotz ökumenischer Ausrichtung der Reformationsfeiern weiterhin große Hindernisse für die Einheit der Kirchen.

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Volker Leppin Foto: epd

Tübingen (epd). «Es ist ein Riesenerfolg, dass man 2017 evangelisch und zugleich ökumenisch sein kann», sagte Leppin am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im theologischen Gespräch mit den Katholiken stehe man allerdings «weiterhin an dem Punkt, an dem die Amtsfrage und damit auch die Abendmahlsfrage unüberwindlich scheinen», sagte der evangelische Theologieprofessor.

Am Montag war eine Spitzendelegation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), angeführt vom Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, von Papst Franziskus empfangen worden. Dabei hatten beide Seiten Martin Luther (1483-1546) gewürdigt und zugleich ihre Sehnsucht nach der Überwindung der Kirchenspaltung betont.

Inhalte der Theologie im Mittelpunkt

An den ökumenischen Differenzen muss nach Leppins Ansicht weiter gearbeitet werden. Dabei dürfe das evangelische kirchliche Amt für keinen Zeitpunkt in der Geschichte im Nachhinein als illegitim betrachtet werden, unterstrich Leppin. Zu den zu bearbeitenden Themen gehöre aus evangelischer Sicht auch die Frauenordination.

Positiv äußerte sich Leppin zu den Planungen des Reformationsjubiläum durch die EKD. Zunehmend stünden Inhalte der Theologie im Mittelpunkt. Mit dem Text «Rechtfertigung und Freiheit» habe die EKD noch einmal sehr deutlich gesagt, was evangelisch sei. Marketingprodukte wie die «Luther-Socken» halte er allerdings «nicht für den allerhöchsten Beitrag zum Reformationsjubiläum».

Ob der Reformationstag (31. Oktober) auch nach 2017 bundesweit ein gesetzlicher Feiertag sein sollte, sei für das evangelische und ökumenische Bewusstsein weniger bedeutsam. Wichtig sei, dass an diesem Tag Jahr für Jahr Gottesdienste gefeiert werden, sagte Leppin.

Die evangelische Kirche feiert in diesem Jahr das 500. Reformationsjubiläum. Mit seinem legendären Thesenanschlag vom 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther in Wittenberg gegen kirchliche Missstände protestiert. Er löste damit eine Bewegung aus, die zur Spaltung der Kirche in katholisch und evangelisch führte.

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Leser-Kommentare öffnen

bga, 8. Februar 2017, 4:47 Uhr


Klartext! Leppiens Darstellung tut gut. Das Drumherumreden hilft nicht weiter. Unüberwindlich erscheinen ihm, dem Autor, die Amts- und Abendmahlsfrage. Damit auch die Frage, was denn Kirche sei, der Kirchenbegriff also. Ökumene ja und abermals ja. Der Ball aber liegt im ökumenisch-gegnerischen Feld. Seit Jahrzehnten debattieren wir im Kreise. Es ist schon hundertmal alles gesagt. Doch das Bollwerk wankt nicht - weder mit noch ohne Posaunen. Abwarten! So lange, bis der Aussendruck zu gross wird. Und weitermachen an der Basis, so als ob keinen Dissens gäbe. Zum Tisch des Herrn gehen - hier und dort, gemeinsam. Die unbewegliche Dogmatik durch fröhliche Praxis überholen. Ungehorsam aus Glauben! Am Reformatorischen unbeirrt festhalten. Vielfalt bereichert.
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Atlantica, 8. Februar 2017, 8:56 Uhr


Ich protestiere! Was ist diese Erkenntnis, dass Ökumene gut tut, wert, wenn sie nicht auch mit einem Fünkchen Selbstkritik verbunden ist? Es ist doch immer wieder dasselbe! Wir haben recht, sind aber so gnädig, den anderen Entwicklungschancen zu geben. Genau das ist das protestantische Missverständnis.
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Atlantica, 8. Februar 2017, 9:34 Uhr


Wenn wir glauben, es besser zu wissen, müssen wir erst recht aus dem elitären Selbstbewusstsein herausfinden, schon alles zu wissen. Martin Luther ist in vielem noch mittelalterlich. Um ihn angemessen würdigen und auch feiern zu können, ist es jetzt wichtig, die Diskussion zu modernisieren.

Klartext also:

Ablasshandel, 95 Thesen: wer weiß darüber heute noch etwas? Und wenn es das schlagende Argument für Luther ist, warum schließen sich ihm dann nicht alle an? Mein laienhaftes Verständnis geht dahin, dass Luther sich hier ein zu hohes Ziel gesetzt hat, er hat die Einheit der Kirche aufs Spiel gesetzt.

Abendmahlsverständnis: das katholische Abendmahls-Verständnis ist unhaltbar. Sie geht von einer Transsubstantiation der Hostie aus (sog. Wandlung). Hier war Luther tatsächlich Modernisierer. Was bedeutet Realpräsenz Christi (Luther). Wenn das heute noch verständlich wäre, so müsste evangelische Kirche populärer sein.
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Schallblech, 8. Februar 2017, 11:14 Uhr


Für die einen ist die Transubstantiation unhaltbar - für die anderen Dogma. Solange es der katholischen Kirche nicht möglich ist, ihre Dogmen zu hinterfragen, werden wir in Sachen Abendmahl nicht weiterkommen. Unser Grundsatz ist: Allein die Schrift. Leider kann man Schrift so und so auslegen. Wir lesen alle: "Das ist mein Leib...Das ist mein Blut". Wir Lutherischen überlassen uns dabei dem Geheimnis des Glaubens, die Reformierten betonen eher den Satz "tut es zu meinem Gedächtnis". Die katholische Kirche will da "nachhelfen" (wem, Gott?) und behauptet, daß sich Hostie und Wein verwandeln.

Zum Glück lassen sich die Gläubigen vor Ort nicht mehr verbieten, sich gegenseitig auch beim Abendmahl zu besuchen. Es scheint mir auch so, als ob die gemeinsame Eucharistie oder Abendmahlsfeier für bekenntnisverschiedene Ehepaare und Familien auch offiziell nicht mehr allzu weit entfernt ist.

Atlantica, 8. Februar 2017, 13:51 Uhr


Kann man den Grundsatz "Allein die Schrift" heute noch so hoch bewerten?

Schallblech, 8. Februar 2017, 14:30 Uhr


Hatten wir beide diese Diskussion nicht schonmal? ;-)
Hier habe ich mich ganz auf Luther bezogen und auf Unterschiede in der Auffassung trotz Bibellektüre hingewiesen.
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Matthäus53, 9. Februar 2017, 23:01 Uhr


Wenn in der kath.Kirche Abendmahl so gefeiert und zelebriert würde, wie es zum Beispiel n. d. Mt.Ev. gepredigt und der Gemeinde vorgelesen wird, wäre schon eine große Glaubenshürde genommen, aber die Theologiker überwiegen wahrscheinlich gegenüber dem verständigen Kirchenvolk. Darum ist Luthers These, von allein der Schrift....absolut richtig. Dann fallen alle Nebenschaukämpfe, wie bitten durch Heilige, anstatt JESUS Christus und Heiliger Geist automatisch unter die Kirchenbänke. Das Treffen der Kirchenoberen in Rom hört sich gut an , aber ist erst richtig gut, wenn Anweisungen an die Pfarrer und Theologen zum Ausarbeiten und praktizieren erlassen werden, um einen allgemein zu praktizierenden Ökonom. Gd.feiern zu können !
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