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Glaube kann zu Rechthaberei und Engstirnigkeit werden – und damit zur Gefahr für das Leben. Aber in ihm wohnt auch eine wunderbare Kraft. Foto: epd
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Glaube verleiht Flügel

Religion

Aus der Printausgabe - UK 06 / 2017

Von Bernd Becker | 2. Februar 2017

Die vorherrschende Stimmungslage weltweit: Krisen, Gefahren, Schrecken. Auch der Glaube an Gott kommt dabei oft nicht gut weg. Welche Rolle also spielt die Religion im Zusammenleben?

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Glaube kann zu Rechthaberei und Engstirnigkeit werden – und damit zur Gefahr für das Leben. Aber in ihm wohnt auch eine wunderbare Kraft. Foto: epd

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Die Welt befindet sich in Zeiten großer Veränderungen. Was vor wenigen Jahren noch als sicher und selbstverständlich galt, gilt heute nicht mehr. Kriege und Terror bringen Schrecken. In vielen Ländern ist die Demokratie in Gefahr. Hierzulande verlieren Politik und Kirchen die gestaltende Kraft, so scheint es. Dabei hat gerade der Glaube die Kraft für das Gute in der Welt.

Oftmals wird Religion als Teil des Problems der heutigen Weltlage angesehen. Und das nicht nur zu Unrecht. In der Geschichte haben Religionen immer wieder viel Leid über die Menschheit gebracht. Es gab schlimme Verbrechen im Namen Gottes. Aber heute können sie Teil der Lösung sein. Wenn sie den Menschen für einen Gegenentwurf zu Pessimismus und Extremismus bewegen.

Die Wahrnehmung vieler Menschen ist ja nicht falsch. Studien belegen, dass der religiöse Extremismus wächst. Ebenso die religiös motivierte Gewalt in vielen Ländern, ob christlich oder muslimisch. Der bewaffnete Abtreibungsgegner in den USA tötet genauso im Namen Gottes wie ein Anhänger des „Islamischen Staates“.
Aber selbst wenn keine direkte Gewalt ausgeübt wird, nutzen Menschen Religion zur Unterdrückung von Frauen oder zur Stigmatisierung von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung. Auch Christen sind nicht frei davon, Rassismus, Antisemitismus oder Angst vor dem Islam zu verbreiten.

Zudem erleben zum Beispiel die Kirchen in Deutschland einen Bedeutungsverlust. Sie erreichen Menschen längst nicht mehr selbstverständlich und sind oftmals mit sich selbst beschäftigt.

Deshalb überdenken viele Gemeinden ihre Verkündigung, ihre Liturgie und ihre Angebote. Es braucht mehr Leben, mehr Liebe, mehr Visionen. Sonst wird auch das Christentum als irrelevant oder als Teil der gesellschaftlichen Probleme wahrgenommen.

Dabei beflügelt der Glaube an Gott zu wunderbaren Möglichkeiten wie Mitgefühl, Güte und einem friedlichen Zusammenleben. Da wo sich Christinnen und Christen engagieren, wird es wahrgenommen. Und das gilt auch für Anhänger anderer Religionen. Das verbindet. Wenn die Welt brennt, sind sie wachsam und helfen. Dann ist der Glaube relevant. Religion schenkt Menschen das, was heute so dringend gebraucht wird. Dazu gehört die Erkenntnis, dass kein Mensch machtlos ist. Jeder kann etwas bewegen, vergeben, protestieren, lieben. Jeder kann seine Zeit und seine Talente nutzen. Religion vermittelt Hoffnung und lehrt, dass man mit anderen verbunden ist. Die Probleme anderer sind auch Teil der eigenen Probleme.
So zu denken und zu leben ist nicht naiv.

Aus dem Glauben an Gott entsteht vielmehr die Kraft für Veränderung und das Gute. Für Liebe, Gerechtigkeit und Würde für alle. Wenn gläubige Menschen das ausstrahlen, dann werden sie andere damit anstecken. Und dann kann Religion ein starker Motor für eine menschenwürdige und friedliche Zukunft sein.

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