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Ohne ihn läuft gar nichts: Nicht Menschen „machen“ Jünger; es ist der Heilige Geist, der Glauben schenkt. Foto: epd
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Streit um den Missionsbefehl

Bibel

Aus der Printausgabe - UK 04 / 2017

Von Anke von Legat | 25. Januar 2017

Die Revision der Lutherbibel hat aus „Machet sie zu Jüngern“ ein „Lehret sie“ gemacht. Das hat eine Diskussion unter Theologen ausgelöst. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was heißt Mission?

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Ohne ihn läuft gar nichts: Nicht Menschen „machen“ Jünger; es ist der Heilige Geist, der Glauben schenkt. Foto: epd

Die neue Überarbeitung der Luther-Bibel, die sogenannte „Luther 2017“-Übersetzung, ist jetzt seit rund drei Monaten in Gebrauch. Neben viel Zustimmung gibt es an einigen Änderungen auch Kritik. Zum Beispiel an der Wiedergabe des Taufbefehls aus Matthäus 28,19: Hier steht nicht mehr „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker“, sondern: „Darum gehet hin und lehret alle Völker“. Welche Übersetzung ist richtig – und machen die verschiedenen Versionen theologisch einen Unterschied?

Aus sprachwissenschaftlicher Sicht spricht einiges für die Übersetzung „lehret“. So argumentiert der Bochumer Neutestamentler Peter Wick kürzlich in einem Vortrag im Amt für missionarische Dienste der westfälischen Kirche, das entsprechende  altgriechische Verb „matheteuein“ bedeute „sich mit einem gegebenen Ding intensiv beschäftigen“. In der Form, in der es in dem fraglichen Bibelvers vorkommt, müsse die Übersetzung dann heißen: „als Schüler aktzeptieren, aufnehmen, unterrichten, lehren“. Eine Übersetzung mit „zu Jüngern machen“ sei in der gesamten antiken Literatur nicht bekannt, so Wick; sie wäre also an dieser Stelle einzigartig.

Verpflichtet, Jesus zu bezeugen

Der frühere thüringische Landesbischof Christoph Kähler, der die jüngste Revision der Lutherbibel leitete, sieht ebenfalls gute Gründe für das Verb „lehren“. Zwar könne die seltene Vokabel den Anfang oder das Ergebnis beschreiben, also das Lehren oder das Annehmen der Botschaft“, schreibt Kähler in der evangelischen Nachrichtenagentur „idea“. Aber: „Matthäus 28,19 verpflichtet zum Zeugnis von Jesus Christus, das wir leisten können; nicht mehr und nicht weniger“, so der Theologe.

Aber es gibt auch andere Stimmen. Der bayerische Pfarrer Jochen Teuffel zum Beispiel schreibt ebenfalls in „idea“: „Das griechische Verb mateteuo bedeutet mehr, als nur Wissenswertes zu ,lehren‘, sondern bezieht sich auf ein verbindliches Lehr- und Lebensverhältnis, nämlich das zwischen einem Jünger (matetes) und seinem Meister.“

Nun könnte man meinen, dass diese Diskussion den Sprachspezialisten vorbehalten bleiben sollte. Aber wie so oft bei Übersetzungsfragen geht es auch um die Interpretation, die jede Übersetzung nun einmal darstellt. Und so bewerten die Theologen die Formulierung des Missionsbefehls auf unterschiedliche Weise.
Teuffel etwa beschreibt das Jünger-Sein der Evangelien als eine „hingabevolle Gemeinschaft, die sich ganz auf Jesu Weisung und Lebensweg einlässt“. Der Aufruf zum „Jünger-Machen“ ist in den Augen des Pfarrers daher der Ruf in eine verbindliche Nachfolge. Wird dagegen der Begriff „Jünger“ gestrichen, so werde damit „gewollt oder ungewollt einem individualitschen religiösen Bewusstsein das Wort geredet“, so seine Befürchtung.

„Lehret sie“ ist bescheidener

Das sieht der ehemalische Bischof Christoph Kähler anders. Christen, so schreibt er, könnten ohnehin nicht „Jünger machen“. Denn: „Zu diesem Vorgang gehört doch auch der andere Mensch, der zum Glauben kommen will; vor allem aber der Heilige Geist, der die Verkündigung gelingen lässt und Glauben schenkt.“ Daher sei die Revision der Lutherbibel zu Luthers ursprünglicher Übersetzung zurückgekehrt – der Reformator nämlich übersetzte „lehret“. Das, so Kähler, sei bescheidener und außerdem alte christliche Tradition.

Auch der Neutestamentler Peter Wick zieht es vor, mit dem Begriff „lehren“ einen Schwerpunkt beim Thema Mission zu setzen. Wer Nichtchristen zu Christen „machen“ wolle, könne leicht aggressiv wirken, so sein Argument. Einladender sei das Konzept des Lehrens: „Aktiv sollen wir auf Menschen zugehen, die etwas von Jesus Christus lernen möchten“, so Wick. „Wo Menschen merken, dass sie etwas Gutes und Spannendes lernen dürfen und dabei nicht zu etwas gemacht werden, öffnen sich neue Wege.“ Schließlich seien alle Christinnen und Christen ihr Leben lang gemeinsam Lernende des „großen Lehrers“ Jesus Christus.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 26. Januar 2017, 19:25 Uhr


„Das griechische Verb mateteuo bedeutet mehr, als nur Wissenswertes zu ,lehren‘, sondern bezieht sich auf ein verbindliches Lehr- und Lebensverhältnis, nämlich das zwischen einem Jünger (matetes) und seinem Meister.“

Aber hier soll es doch um das Verhältnis von Christen und (Noch-)Nicht-Christen gehen. Habe ich das richtig verstanden? Das Verhältnis zwischen Meister (= Jesus) und Jünger (= wir) ist im Fokus. Haben wir die Vollmacht, in Jesu Sinn zu lehren? Dann sind auch wir "Meister", an denen man sich als Nicht-Gläubiger orientieren kann oder könnte.
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