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Fürchtet euch nicht: Die Botschaft der Engel zu Weihnachten. Grafik: Martina Döbler/tsew

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Fürchtet euch nicht!

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 25. Dezember 2016

In einer Welt voll Leid und Gewalt brauchen wir Zuversicht. Woher sie kommt

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Fürchtet euch nicht: Die Botschaft der Engel zu Weihnachten. Grafik: Martina Döbler/tsew

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Wenn man die Botschaft der Bibel in einem einzigen Satz zusammenfassen müsste, dann wären es vielleicht diese Worte: Fürchtet euch nicht. In eine Welt, die seit Menschengedenken von Unfriede und Gewalt gezeichnet ist, bricht die Stimme vom Himmel.

Die Hirten damals auf dem Felde erschraken heftig über diese Worte. Und verstört reagieren auch wir heute. Denn Anlass zur Furcht gibt es genug:
U-Bahn-Treter und Bahnhofsschläger. Krieg in Syrien und Irak. LKWs, die in Menschenmengen rasen und Zwölfjährige, die Bomben zünden wollen. Dazu die Krise der EU. Und eine Weltsupermacht USA, von der niemand weiß, was für Überraschungen sie im nächsten Jahr für uns bereithalten wird.
Angst und Furcht haben durchaus ihren Sinn. Sie sind den Menschen in die Gene gelegt. Es geht dabei um Hormon-ausschüttung und Gefahrenabwehr: Innerhalb von Sekundenbruchteilen putscht sich der Organismus hoch. Der Mensch steht quasi unter Strom.

Das Problem dabei ist, dass wir heute nicht mehr dreimal am Tag Angreifern oder Opfern gegenüberstehen, die wir mit der Keule niedermachen müssten. In der modernen Zivilisation wären Einfühlungsvermögen und nüchternes Abwägen gefragt. Die archaischen Instinkte gehen in die Irre: Kochendes Blut und zitternde Nerven führen zu Panik, Blockaden, Übersprungshandlungen und – im schlimmsten Fall – zu Mord und Todschlag.

Furcht lähmt eine Gesellschaft. Wir brauchten aber: Mut zur Liebe. Im Schatten der Angst kann keine Liebe wachsen. Liebe aber ist die Formel für Leben. Aus der Sicht von Christinnen und Christen heißt das: Gott kommt in die Welt. Gerade zu Weihnachten, im Bild der Krippe, wird dies klar: Gott neigt sich uns zu – deshalb sollen auch wir allen anderen Menschen zugetan sein. Gottes Liebe gilt auch ihnen. Jedem Einzelnen.

Furcht tötet Leben. Liebe lässt Leben. Deshalb: Fürchtet euch nicht.
Nicht angesichts von Fremden und Flüchtlingen. Sie stellen unsere Wohlstandsgesellschaft und unser Christsein auf die Probe: Was heißt das – Nächstenliebe? Was würde der barmherzige Samariter für uns heute bedeuten, im Alltag?

Sie stehen jetzt vor der Tür, unsere „Nächsten“. Sie klopfen an, bitten um Brot, ein Dach über dem Kopf. Werden wir die Tür öffnen? Oder geschlossen halten – aus Furcht?

Fürchtet euch nicht. Nicht angesichts von Trumps und Putins, von Assads oder Erdogans.
Auch nicht angesichts von Schreihälsen auf den Straßen und Hassparolen auf Kirchtürmen.

Fürchtet euch auch nicht angesichts des Todes. Gerade hier, im Leiden und Sterben, wird deutlich, was der Satz des Engels heißt. Denn „Fürchtet euch nicht“ meint ja nicht ein falsches in Sicherheit wiegen, es fordert ja nicht auf, die Augen zu verschließen vor den Tatsachen: Am Ende, egal wann es kommt, wird jeder von uns sterben. Man kann hoffen auf ein langes, erfülltes Leben. Und auf einen gnädigen Tod. Dass das Siechen sich in Grenzen hält. Aber: Sterben werden wir. Alle.
Fürchtet euch nicht – denn Euch ist der Heiland geboren. Ja, alles wird heil. Dereinst, bei unserem Gott. Das gibt Mut. Schon jetzt.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 25. Dezember 2016, 22:33 Uhr


Die Herrschaften trauen sich was. Dass ich sterben muss, ist mir schon bewusst, seit ich als Kind dem Tod wiederholt entronnen bin.
Wenn mich allerdings der Tod durch fremde Hand ereilen sollte, weil da ein religiöser Fanatiker, dessen geistliche Führer Hass predigen und den Heiligen Krieg fördern, mich vom Leben zum Tode befördert, dann ist das mit Sicherheit nicht Gottes Willen.
Dagegen steht eines der elementarsten Gebote - jedenfalls in meiner Bibel: "Du sollst nicht töten!"
Der Appell verhöhnt gerade die Opfer, verniedlicht ihr Schicksal geradezu. Bei mir wirft das Fragen auf. Auf welcher Seite stehen unsere Kirchenfürsten?
Solche Verharmlosungen sind ein weiterer Schlag ins Gesicht der toten Opfer, die sich vor ihrem Tod nicht wehren konnten und jetzt schon gar nicht mehr.
Mit Gottes Willen hat das nichts zu tun und den Tätern wird es nicht zur Gnade gereichen, sollten sie sich zur waghalsigen Begründung
hinreißen lassen, dass die Menschen ohnehin irgendwann gestorben wären.
Was für ein Hohn.
Wenn die Herrschaften das wirklich meinen, sollten sie am besten gleich ihr Ornat ablegen.

Paperback
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Ulrich Keßler, 26. Dezember 2016, 9:17 Uhr


Frohe Weihnachten, lieber Paperback!
Für mich war Weihnachten immer (auch) ein Fest der Gegenwehr:
Als Jugendlicher wollte ich es heller haben als ein paar mickrige Kerzen am Weihnachsbaum, und lauter als bei "Stille Nacht" - ich weiß auch, warum. Heute ist es mir zu hell und zu grell und zu laut und zu verharmlosend/vertröstend - siehe deine Kritik, Paperback:
Ja, es ist ein "gewaltiger" Unterschied zwischen "Sterben werden wir. Alle." und den grauenhaften Ermordungen des IS und seiner Anhänger etc.! Das ist eine ganz andere Kategorie! Die Hirten brauchten ein "Fürchtet euch nicht!", weil sie, mitten in der Nacht, einen Angriff römischer Soldaten (der irdischen Legionen des Kaisers) fürchteten! Bei ihnen wurde es nicht "dereinst" bei ihrem Gott hell, sondern schlagartig bei den Hürden! Nicht die "pax romana" brachte Licht und Klarheit in ihr dunkles Leben, sondern die Botschaft von der Stallgeburt eines Menschen der ganz anderen Art. Jedenfalls brachte sie das augenblicklich in Bewegung. Diesen "Christus" sollten und wollten sie SOFORT sehen und sahen ihn, "wie es zu ihnen gesagt war"! Dem Engel (und den himmlischen Legionen mit ihrem Lobgesang) ging es eben nicht um ein "dereinst" (Vertröstung), sondern um ein Hier und Jetzt (Auf-Bruch/Auf-Stand). HIER und JETZT! Davon würde ich - immer noch und immer wieder - gerne (mehr) hören bzw. lesen!

Paperback, 26. Dezember 2016, 11:41 Uhr


Lieber Ulrich Keßler,

meinen Dank für Ihre Antwort verbinde ich mit dem Wunsch eines frohen zweiten Feiertages.
Durch Ihre Antwort fühle ich mich verstanden und sie rückt für mich grade, was da in dem Beitrag für mich sehr problematisch rüberkam.
Ich ringe zur Zeit heftig mit den aktuellen Geschehnissen und ich empfinde dabei auch unsere eigene Ohnmacht.
Über allem aber steht da auch der Gedanke, dass wir der Gewalt nicht zusehen dürfen, uns ihr nicht einfach ergeben.
Diese Tendenz sehe ich gerade.
Innergesellschaftlich beobachte ich nicht nur bei mir, die Neigung, unsere Willkommenskultur zu beenden.
Mich schmerzt das und es schafft Verbitterung.

LG

Paperback

Ulrich Keßler, 26. Dezember 2016, 12:07 Uhr


Lieber Paperback,
in Ihren Kommentaren gibt es immer wieder Sätze, die mich sehr berühren. In Ihrem Kommentar von letzter Nacht war es (u.a.) der Schluß des zweiten Satzes: "seit ich als Kind dem Tod wiederholt entronnen bin".
Das hätte fast von mir sein können. Ich denke: Wer schon als Kind tausend Tode gestorben ist, kann und will sich nicht mehr auf "Dereinst" vertrösten lassen, sondern lebt (fast jeden Tag) vom Auf-Stehen und Auf-Brechen.
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Pirol, 26. Dezember 2016, 11:02 Uhr


Für mich ist "dereinst" keine Vertröstung, sondern Ermutigung, Hoffnung, TROST. Egal, was wir einander hier antun oder was sonst passiert wird es am Ende gut. Das gibt mir in der Tat Kraft, mich hier kräftig zu engagieren.
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Alwite, 27. Dezember 2016, 7:35 Uhr


Fürchtet euch nicht: Das Gute immer wieder und täglich in Christi Geburt willkommen zu heißen.
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Schallblech, 29. Dezember 2016, 10:00 Uhr


Ich lese aus dem Text weder Verharmlosung der Gewalt noch Verhöhnung der Opfer. Ich lese einen Appell, sich nicht von der Angst lähmen zu lassen. Ich lese auch ein "trotzdem". Fürchtet euch nicht, denn genau das wollen die Mörder des "IS", die Rechten und die Chaoten, die aus Langeweile Unruhe stiften. Fürchtet euch nicht, sondern haltet an der Liebe fest.
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Paperback, 29. Dezember 2016, 12:36 Uhr


Lieber Schallblech,

auch wenn ich mit meinen Beiträgen lästig werde, will ich dazu nicht schweigen.
Tritt doch mal in einer Gemeinde den Gemeinde-Gewaltigen auf die Füße, widersprich mal dem in einer Gemeinde geltenden Mainstream und sieh, was dann passiert.
Dann herrscht Ausgrenzung, dann wirst Du schnell isoliert und gemieden, worüber ich Bücher schreiben könnte.
Da bleibt dann nichts mehr von der - von Dir geforderten- Liebe.
Da sind gerade Mörder unterwegs, Mörder, die auf kein Gebot, kein Gesetz hören, sondern Hass und Mord verbreiten.
Dazu kann ich nicht ja sagen.
Muss erst in einer Kirche oder einer Kathedrale eine Bombe hochgehen, bis diese verordnete Schönfärberei ein Ende nimmt?

Gruß

Paperback

Glybyrne, 29. Dezember 2016, 13:56 Uhr


hä? dein thema ist bestimmt wichtig paperback aber ich verstehe im moment den zusammenhang zu schallblechs post nicht und auch nicht zum artikel
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Paperback, 29. Dezember 2016, 15:27 Uhr


Glybyrne,

da magst Du an meiner Glaubensfestigkeit zweifeln, aber angesichts des Terrors und der Gewaltorgien, die von religiösen Fundamentalisten inszeniert werden, mit einem "Fürchtet euch nicht!" zu antworten, überfordert mich.
Die zu Tode Gekommenen müssen, brauchen sich nicht mehr zu fürchten und haben ohnehin den höchsten Preis bezahlt, den ein Mensch zahlen kann. Sie sind nicht mehr.
Wir werden gerade auf theologisch verbrämte Art und Weise eingelullt. Das Volk hinters Licht geführt.
Wem dient das? Wessen Interessen werden da bedient und warum?
Es ist mir zu billig, auf Trauerfeierlichkeiten die Opfer zu beklagen, um dann mit einem "Weiter So!" fortzufahren.

Paperback
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Schallblech, 29. Dezember 2016, 16:03 Uhr


Lieber Paperback,
ich verstehe nicht, worauf du eigentlich hinaus willst. Was erwartest du denn von den Kirchenoberen? Sollen sie zum Kreuzzug aufrufen? Was sollen sie uns denn sagen? "Laßt euch nichts gefallen, greift zum Gewehr und verteidigt das christliche Abendland?"
Welche Antwort haben wir als Christen auf Gewalt? Jesus verlangt sogar nicht nur, daß wir uns nicht fürchten, sondern daß wir die andere Wange hinhalten, wenn wir auf die eine geschlagen werden - eine sehr schwere Forderung, die wohl heute keiner mehr umsetzen mag.

Am Eingang zu Daout\'s Weinberg in Palästina nahe Bethlehem steht ein Schild, das - natürlich in einem völlig anderen Zusammenhang - in mehreren Sprachen Folgendes aussagt: "Wir weigern uns, Feinde zu sein" Dem kann ich nach wie vor in jedem Fall zustimmen und füge hinzu: "Ich weigere mich, mich zu fürchten".
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Paperback, 29. Dezember 2016, 17:31 Uhr


Lieber Schallblech,

ja, das sagt Jesus in der Tat, was allerdings nicht heißt, dass er die Zehn Gebote außer Kraft setzt, und die sind nach meinem Verständnis universell. In ihnen ist das Tötungsverbot fest verankert.
Und er sagt auch nicht, dass wir keine Angst haben dürfen, sondern, dass er die Angst überwunden hat. Ich bin nicht Jesus, und Du wirst auch nicht beanspruchen, er zu sein.
Die Botschaft des Engels, mit der die Ankunft des Messias verkündet wurde, lautete "Frieden auf Erden", nicht "Krieg den Völkern!"
Was würdest Du wohl machen, nähmst Du Gäste in Dein Haus, die dann Dein Haus zerlegten, Dich und Deine Familie attackierten?
Ich habe da eine Ahnung, und ich selbst würde mich genauso entscheiden.
Der Islam hat, das kann man bei Islamwissenschaftlern hören und nachlesen, ein Gewaltproblem. Er hat ein Problem mit der Stellung der Frau, was mir immer wieder in den Sinn kommt, wenn ich unsere engagierten Kirchenvertreterinnen und etliche der Politikerinnen höre, die sich gerade so empathisch äußern.
Da sehe ich gerade keine Chance der Verständigung, schon gar keinen Anlass zur Gefühlsduselei.
Last, but not least, in unserer Kirche steht die Ökumene gerade hoch im Kurs, und dem Papst wird gehuldigt, als gehöre er zu uns. Wie sieht es denn aus mit den katholischen Polen? Was tut diese streng katholische Regierung im Bezug auf die Migrantenfrage.
Darüber herrscht bei den deutschen Ökumene-Freaks peinliches Schweigen.
Nicht nur da gerät die Wahrheit unter die Räder. Auch das wissen wir:
Die Wahrheit stirbt zuerst.
Ich habe keine Antworten, nein.
Aber langsam steigt die Angst.

Paperback

Schallblech, 30. Dezember 2016, 9:42 Uhr


Lieber Paperback,
meine wichtigste Frage hast du noch nicht beantwortet: Welche Worte erwartest du von den Kirchenoberen? Die von Hoeffchen lehnst du ab - und die von Bedford-Strohm wahrscheinlich auch, nehme ich an. Was sollen sie stattdessen sagen?
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Ulrich Keßler, 29. Dezember 2016, 18:13 Uhr


Ich will mich doch noch einmal in die Diskussion einbringen, obwohl mir eigentlich fast die Luft weg geblieben ist angesichts der letzten Zeilen des Artikels: "Sterben werden wir. Alle.
Fürchtet euch nicht – denn Euch ist der Heiland geboren. Ja, alles wird heil. Dereinst, bei unserem Gott. Das gibt Mut. Schon jetzt."
Damit bin ich ich nicht einverstanden, weil darin das allgemeine Sterbenwerden, Sterbenmüssen auf ein und dieselbe Ebene gebracht wird wie das Umgebrachtwerden von Mörder- bzw. Terroristenhand. Und das "heil" werden (wessen?) in ein "Dereinst" verlegt wird. Wenn das Gerd-Matthias Hoeffchen trotzdem und schon jetzt Mut macht, muss ich ihm das persönlich zugestehen, kann ihm aber theo-"logisch" und auch rein menschlich nicht folgen, weil er die "Sprache der Vertröstung" spricht. Ich halte die Hinweise, dass die Liebe Gottes auch "allen anderen Menschen" gilt, auch nicht für jesusgemäß, weil dabei Jesu Wehe-Worte und seine Aussagen über das "Heulen und Zähnknirschen" derer, die lieblos mit ihren Nächsten umgegangen sind (also die göttlichen Konsequenzen für die Täter) außer acht bleiben.
Paperback (wenn ich ihn recht verstehe) nennt das radikal so: "Wir werden gerade auf theologisch verbrämte Art und Weise eingelullt."
Das ist sehr hart ausgedrückt, aber auch ihm muss ich eine solche persönliche Einordnung zugestehen. Sie könnte auch nachdenklich machen darüber, ob die Worte, die wir in der Terrorismusdiskussion
in den Mund nehmen, wirklich angemessen, wirklich ermutigend, und für die von Mord und Attentat direkt Betroffenen wirklich tröstend sind. -
Anhang:
Gerade habe ich Paperbacks letzten Kommentar gelesen. Dazu:
Angst machen mir jene, die, wenn sie von (Nächsten-)Liebe reden, die Gerechtigkeit vergessen, an der (nach biblischen Zeugnis) Gott sehr liegt. Ob er vielleicht mehr an die Opfer denkt als manche/r liebevolle Mitmensch/Mitchrist an die Täter?
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Atlantica, 29. Dezember 2016, 18:26 Uhr


Ich moechte gerne wissen, ob eine Landesregierung wegschauen darf, wenn ein Terrorverdaechtiger frei herumlaeuft und dies den Behoerden bekannt ist. Vorsicht ist geboten mit Schuldzuweisungen, Fragen sollten gestellt werden duerfen.
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Alwite, 29. Dezember 2016, 18:55 Uhr


Wenn Deine Träume Dir keine Angst machen, sind sie nicht groß genug.
Ellen Johnson-Sirleaf
Selbst werde ich nie aufgeben an das Gute zu glauben, nicht aufgeben an die Hoffnung zu glauben und werde weiterhin an ein friedliches Miteinander, untereinander glauben. Was wir tun müssen, weiß ich auch nicht, nur reagieren alleine reicht wohl nicht mehr - sinnvoll darüber zu schreiben ist ein Anfang. Solidarität und Verbundenheit ein weiterer.
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Atlantica, 29. Dezember 2016, 20:02 Uhr


Ich bin mir sicher, dass Furcht krank macht, bzw. auch eine Krankheit ist. Heilung verschafft hier nur schonungslose Offenheit sich selbst und anderen gegenüber. Das scheint der Schlagzeuger Phil Collins erkannt zu haben, der in seiner neuen Autobiographie ohne Umschweife über seinen Alkoholismus spricht: er weiß, wenn er nicht endlich seine "Schuld" (ist es eine?) bekennt, wird er an gebrochenem Herzen, Fettleber, Herzinfarkt sterben. Terroristen sind noch kränker als Alkoholiker und sie sind (zu recht?) gesellschaftlich verachtet. Wenn ein solch kranker Mensch nicht von sich aus umkehrt, dann ist ihm nicht zu helfen. Ich wollte aber jetzt nicht Phil Collins mit einem Terroristen vergleichen (bin ein Fan von ihm), nur zeigen, dass das sogenannte Böse, wenn nicht bei manchen Menschen angeboren, eine Krankheit ist. Damit will ich nichts rechtfertigen - im Gegenteil.
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Alwite, 29. Dezember 2016, 20:17 Uhr


Halte dich von negativen Menschen fern.
Sie haben ein Problem für jede Lösung.
Albert Einstein

Atlantica, 29. Dezember 2016, 20:37 Uhr


Diese dein Einstein-Zitat, werte Alwite, lässt in mir ein Fragezeichen aufsteigen:ich kapiere es schlicht nicht. Aber ein anderes scheint mich zu bestätigen:

Die Welt ist viel zu gefährlich, um darin zu leben – nicht wegen der Menschen die Böses tun,
sondern wegen der Menschen, die daneben stehen und sie gewähren lassen.

– Albert Einstein



Alwite, 29. Dezember 2016, 22:15 Uhr


>... Fürchtet euch nicht. Nicht angesichts von Trumps und Putins, von Assads oder Erdogans.
Auch nicht angesichts von Schreihälsen auf den Straßen und Hassparolen auf Kirchtürmen ... <

Auf diese Sätze Herrn Hoeffchens beziehen sich Einsteins Worte für die ich stehe.
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Ruckzuck, 30. Dezember 2016, 0:36 Uhr


Ich habe den Eindruck, dass hier vielleicht doch der eine oder andere Aussagen in den Text reinbringt, die ich nicht sehe. Mag sein, dass das legitim ist, vor allem, wenn man eine eigene Opfergeschichte mit sich herum trägt. Aber der Satz "Fürchtet euch nicht, auch nicht angesichts des Todes" gibt mir Trost. Die Opfer vin Gewalt werden nicht Ernst genommen, weil man die anderen, die friedlich sterben, und die davor auch Angst haben, auch tröstet? Kann ich nicht nachvollziehen. Egal, muss ich ja auch nicht.
Klar, ich habe auch Furcht bei all den Nachrichten. Hilft vielleicht ein bisschen auf die Statistik zu hören, die sagt, dass das Leben in Deutschland heutzutage viel sichere ist als in meiner Kindheit. Hilft aber nur ein wenig, nicht immer.
Mir gefällt in dem Zusammenhang im Text die Passage: "Die Hirten damals auf dem Felde erschraken heftig über diese Worte. Und verstört reagieren auch wir heute." Ja, siehe Kommentare hier, genauso ist es wohl.

Atlantica, 30. Dezember 2016, 9:47 Uhr


Sich nicht fürchten zu müssen, ist ein Geschenk. Ein Leben in Furcht ist kein LEBEN. Ich bin sehr dankbar für dieses Geschenk. Der Terror geht von Menschen aus. Man müsste sich nur dann fürchten, und das scheint mir der normale psychologische Vorgang zu sein, wenn es doch keinen gütigen Gott gäbe oder wenn eine dunkle Macht verantwortlich wäre.

Wie hältst du\'s mit der Religion? DIe Gretchenfrage ist bis heute entweder nicht beantwortet oder es heißt in sogenannten intellektuellen Kreisen: Religion und Terror, eine unheilige Allianz. Das alles ist vollkommen falsch!

Lasst uns nüchtern sein und nicht grenzenlos tolerant!
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Alwite, 30. Dezember 2016, 6:32 Uhr


Tod, Todesangst - kennt jemand einen erfahrenen Menschen auf der weiten Welt, der keine Opfergeschichte mit sich herumträgt?
Die eigene Kindheit wurde von so vielen gewaltsam zu Todegekommenen begleitet. Mag es einen Deutschen geben, der sich nicht wenigstens an einen seiner gewaltsam toten Angehörigen erinnert? Ist es nicht gerade dieser Umstand, der uns allem Leben gegenüber furchtlos und besonnen sein lässt? "Etwas schlimmeres als den Tod werden wir nicht leiden" - Worte der Bremer Stadtmusikanten unserer Kindheit ebenso gegenwärtig, wie die der Bibel, die meinen Mann mit Haltung seinem Ende entgegen gehen ließen, das in einer unheilbaren Krankheit unabwendbar begriffen ist. Wenn Herr Hoeffchen hoffende Zuversicht für das Leben meiner Kinder und Enkel vermittlen wollte - bei mir kam sie an!!!


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Erika Moers, 30. Dezember 2016, 16:49 Uhr


Die Stimme Alwites tut gut: Gegründet auf glaubendes Vertrauen und vertrauendes Glauben, findet sie in all den Wirrnissen und Ängsten, die wir und Andere erfahren, jene positive Botschaft heraus, die es immer aufs Neue lohnt zu hören. Da gehe ich mit.
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Ulrich Keßler, 30. Dezember 2016, 20:38 Uhr


Ich erinnerte mich vorhin an eine Predigt, die Pastor Thomas Groß aus Nordhausen 2004 über Matthäus 14,22-34 (Die Jünger in Not auf dem See) gehalten hat. Darin hat er diese Geschichte erst einmal ganz anders erzählt:
"Und Petrus stieg aus dem Boot aus. Er bedrohte das bewegte Wasser und den starken Wind. Und Wasser und Wind wurden sogleich ruhig. Und die Jünger staunten und waren hocherfreut. „Petrus, du bist unser Mann. Du Großgläubiger, mit dir werden wir noch ganz andere Gefahren überstehen.“
Und sie klatschten in die Hände, lachten und wollten Petrus nachfolgen. Denn Petrus konnte auf dem Wasser einhergehen. Als Petrus bemerkte, was sie vorhatten, sprach er zu ihnen: „Bleibt noch eine Weile im Boot zurück. Ich möchte rasch vorausgehen und Jesus begrüßen.“
Und Petrus eilte auf dem Wasser Jesus entgegen. „Großgläubiger Petrus, sagte Jesus, das hast du ausgezeichnet gemacht. Mach weiter so. Achte nur darauf, dass der Geheimcode nicht an Hinz und Kunz verraten wird, sonst können am Ende alle Menschen auf dem Wasser herumlaufen.“
Petrus versprach ihm, das Codewort vorsichtig zu gebrauchen und die Weitergabe des Codewortes von Unterricht und verschiedenen Glaubenstests abhängig zu machen. Dann kehrte er zu den Jüngern zurück, er allein. Einen ganzen Tag lang unterrichtete er die Jünger im Boot, dann am Abend sagte er ihnen das Codewort. Und im Nu waren sie alle auf dem Wasser, alle zwölf. Sie rannten umher, schlugen Purzelbäume, spielten Fangen. Sie waren ganz vergnügt und nannten sich von diesem Tage an:
Gemeinde der großgläubigen Wasserläufer." --- ---
Von der Geschichte, wie sie wirklich bei Matthäus steht, sagt er dann, dass sie gerade für die Kleingläubigen ist. In ihr "werde ich nicht zum uneingeweihten Außenseiter gemacht oder bloßgestellt, nur weil mein Vertrauen klein ist." Denn: "Furcht ist kein Makel." Und: "Die Art, wie Jesus...mit Petrus und den anderen Jüngern umgeht, tut mir wohl."
Ich finde, diese Geschichte und diese Art ist der Orientierung in Zeiten der Furcht wert.





Atlantica, 30. Dezember 2016, 21:06 Uhr


Die Geschichte ist wirklich beeindruckend und sie gefällt mir gut. Sie zeigt noch etwas anderes: früher ging es immer um Interpretation des Wortes Gottes. Heute können und dürfen wir wissen und in Anspruch nehmen, dass wir uns nicht an den Buchstaben der Bibel klammern sollten als tiefste Basis des Glaubens. Das Vertrauen erwächst aus den zwischenmenschlichen Beziehungen, (nicht ganz) unabhängig vom geschriebenen Wort.
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