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Musik gehört zu Advent und Weihnachten dazu – aber warum hört man immer nur die seichten Trällerlieder aus dem Radio? Es geht doch auch anders Foto: TSEW
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Süßer die Glocken nie klingen

Weihnachten und Musik

Aus der Printausgabe - UK 50 / 2016

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 9. Dezember 2016

Im Advent beginnt der allgemeine Ausnahmezustand: Die Gefühle wallen auf. Eine Chance – auch, um das gemeinsame Singen von geistlicher Musik wieder zu entdecken

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Musik gehört zu Advent und Weihnachten dazu – aber warum hört man immer nur die seichten Trällerlieder aus dem Radio? Es geht doch auch anders Foto: TSEW

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Jingle bells, jingle bells – manche Lieder sind nicht totzukriegen. Wenn das Kinderkarussell aufgebaut wird und sich Glühweinduft mit dem Aroma von Zuckerwatte und Reibeplätzchen paart, dann steht Weihnachten vor der Tür. Und untrennbar zählt dazu: Musik.

Mit einigem inneren Abstand könnte man sich ja wundern, was für ein Gedudel wir uns da im Vorfeld des Heiligen Abends anhören. Seichte Stimmen, süßliche Melodien. Texte, über die wir – wenn wir sie ins Deutsche übersetzen würden – spätestens ab Mitte Januar nur noch grinsen können.

Aber genau diesen inneren Abstand haben wir nicht. Weihnachten – das ist Ausnahmezustand. Das Empfinden ist überdreht. Ob bei Spielfilmen, Schmück-Bemühungen oder Geschenkebereitschaft: Für vier Wochen wallen die Gefühle auf.
Ein Ausnahmezustand, den viele nutzen. Kauf- und Versandhäuser. Hilfswerke, die darauf setzen, dass beim „Fest der Herzen“ die Menschen leichter ihre Geldbörsen öffnen.

Nur mit der Musik, da ist es im Advent eine komische Sache.
Auf der einen Seite berieselt sie uns von allen Seiten. Das Geträller aus Radio und Lautsprecherbox umgarnt unsere Sinne wie der Glühweinduft auf dem Weihnachtsmarkt. Als Ohrwürmer bohren sich Weihnachtsschlager ins Gemüt, beißen sich in Herz und Hirn, bis sie ihr Werk vollenden: die große Gefühlsduselei.
Auf der anderen Seite ist geistliche Musik – also die, die im ursprünglichen Sinn zu Advent und Weihnacht zählt und von ihr kündet – auf dem Rückzug. Sicher, noch immer gibt es gut besuchte Weihnachts-Oratorien und Chorkonzerte; und die Menschen, die am Heiligen Abend in den Gottesdienst gehen, können zum großen Teil noch „O du fröhliche“ singen.

Aber: gemeinsames Singen? Zuhause? Im Kreis der Familie? Mit Freunden? Mit Arbeitskolleginnen und -kollegen? Selbst in kirchlichen Einrichtungen ist das nicht mehr selbstverständlich.

Schade. Denn gemeinsames Musikmachen kann wichtige Aufgaben erfüllen. „Es ist eine Erfahrung in der Gruppe, schult die Konzentration der Kinder hinzuhören, aufeinander zu reagieren und nicht die ganze Zeit am Computer oder am Smartphone zu hängen“, sagt Dorothee Oberlinger, dreifache Echo-Klassik-Preisträgerin und Weltklasse-Blockflötistin, nach einem Bericht der Katholischen Nachrichtenagentur. Und Star-Geiger André Rieu ergänzt: Kirchenchöre sind der ideale Ort für die musikalische Erziehung von Kindern.

Die Weihnachtszeit nutzen – fürs gemeinsame Singen von Choral und Weihnachtslied. Wie kann das funktionieren? Es gibt Chöre, die machen überwältigende Erfahrungen mit Veranstaltungen zum „Offenen Adventsliedersingen“. Keine Konzerte, sondern Mitsing-Aktionen: Hier kann jeder mitmachen, auch ohne Vorkenntnisse.

Da könnte sich eine Chance abzeichnen. Und warum sollte man bei so einer Veranstaltung nicht die Lieder mischen: „Jingle bells“ oder „Last Christmas“ – und dann eben auch „Tochter Zion“.

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 9. Dezember 2016, 15:38 Uhr


Singet dem Herrn ein neues Lied! Posaunen- und Kirchenchöre spielen und singen immer mehr Neues. Das finde ich gut. Man kann nicht bei Jingle Bells und O du fröhliche stehenbleiben. Ach ja, Gospelchöre nicht zu vergessen!
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Atlantica, 9. Dezember 2016, 18:18 Uhr


Und André Rieu ist nicht zu unterschätzen: Kirchenchöre als pädagogisches Instrument. Wobei ich den Titel "Star-Geiger" nicht mag.
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Schallblech, 9. Dezember 2016, 19:28 Uhr


Kirchenchöre als pädagogisches Instrument - bedingt, nur im Idealfall. Das Normale ist, daß in Kirchenchören keine Ausbildung stattfindet, daß sie meistens auch überaltert sind. Wenn es parallel einen Kinderchor gibt, dann ist die Chance groß, daß die Kinder in den Kirchenchor hineinwachsen - wenn sie denn nach der Schule am Ort bleiben. Auf jeden Fall haben sie dann das Rüstzeug und wahrscheinlich auch Lust, irgendwo anders in einem Chor mitzusingen.
Bei Posaunenchören ist Nachwuchsausbildung das (noch) Normale. Leider verzichten immer mehr Chöre darauf, meist, weil sie niemanden haben, ders macht. Ich geh mal davon aus, daß André Rieu noch nie von der Posaunenarbeit gehört hat, sonst hätte er Posaunenchöre an dieser Stelle genannt.
Leider ist es auch bei uns so, daß die Kinder oft nach der Schule weg sind. Manchmal freuen sich dann aber andere Chöre irgendwo, daß sie gut ausgebildete Bläser bekommen. Für den Ausbilder ist es dann auch eine Freude, davon zu hören.

Atlantica, 9. Dezember 2016, 21:08 Uhr


"Ich geh mal davon aus, daß André Rieu noch nie von der Posaunenarbeit gehört hat, sonst hätte er Posaunenchöre an dieser Stelle genannt."

Dazu möchte ich schreiben, dass in Holland, allerdings anders als bei uns, die Musikbegeisterung der Bevölkerung ungebrochen und echt ist. Das Virtuosentum unter Kirchenmusikern ist dort verbreitet und nicht auf wenige Spezialisten beschränkt. Die pädagogische Arbeit setzt früh und mit moderne Methoden an, zum Beispiel erhalten Kinder schon Orgel-Unterricht.

Schallblech, 10. Dezember 2016, 9:02 Uhr


Toll! :)
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Alwite, 11. Dezember 2016, 9:06 Uhr


Mit Dank für diesen Artikel, wünsche ich einen schönen dritten Advent!
Welche Klänge auch immer unser weihnachtlich gestimmtes Ohr erreichen, sind es nicht ganz besonders die Kinder, die uns so viel zu geben haben und von denen (wenn wir ein offenes Ohr haben und erpüren was ihnen Freude macht) wir lernen - und nicht umgekehrt?

https://www.youtube.com/watch?v=2rMWnal9-c4
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