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Am besten sollen sie alles können, und das auch noch sehr gut: Pfarrerinnen und Pfarrer. Wie wird dieser Beruf in Zukunft aussehen? Foto: TSEW

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Job? Berufung? Teilzeit?

Pfarramt

Von Gerd-Matthias Hoeffchen | 11. November 2016

Was darf man von einem Pfarrer oder einer Pfarrerin erwarten? Die Diskussion darüber ist neu entfacht. Auf ihrer Landessynode wird die Evangelische Kirche von Westfalen ab Montag eine Zwischenbilanz ziehen: Wo stehen wir in den Überlegungen?

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Am besten sollen sie alles können, und das auch noch sehr gut: Pfarrerinnen und Pfarrer. Wie wird dieser Beruf in Zukunft aussehen? Foto: TSEW

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Ich hatte das Glück, bei einem Pfarrer groß zu werden, der für uns da war. Jede Woche gab es Jugendkreis, Bibelgruppe; Samstagabend das „Meeting“. Egal, ob es stürmte oder schneite – nie ließ sich der Pfarrer nehmen, die Türen von Gemeindehaus und Kirche selbst zu öffnen. Zu den regelmäßigen Besuchen bei den Alten der Gemeinde nahm er stets ein paar von uns Jugendlichen mit. So konnten wir mit Gitarre und Gesang etwas von unserer Lebensfreude weitergeben.

Das alles war möglich, weil er und seine Frau – sozusagen die idealtypische Pfarrfrau –  mit Leib und Seele ihren Dienst taten. Selbst Küche und Wohnzimmer der beiden waren kein Tabu: Sonntags, nach dem Gottesdienst, tummelte sich dort neben den eigenen Kindern eine Horde Heranwachsender, die hier Wärme, Liebe und Anerkennung fanden. Und im Sommer und im Herbst ging es auf Gemeindefreizeit.
Das war auch damals, in den 70er und 80er Jahren, nicht die Regel, sondern eher Ausnahme in der kirchlichen Landschaft.

Schon immer gab es Unterschiede, wie intensiv und leidenschaftlich ein Pfarrer oder eine Pfarrerin die Stelle ausfüllte. Job oder Berufung. Dienst nach Vorschrift oder angetrieben sein durch brennendes Sendungsbewusstsein – wenn man das als die Extrempunkte einer Skala ansieht, dürfte das Amtsverständnis immer schon auf allen möglichen Positionen dazwischen zu finden gewesen sein.
Das ist nicht anders als in jedem anderen Beruf.

Aber: Es hat sich etwas verändert in der Kirche.

Immer grundsätzlicher ist in den vergangenen Jahren die Frage gestellt worden: Was kann, soll und darf man von einem Pfarrer, einer Pfarrerin erwarten?

• Die Einrichtung von Teilzeitstellen hat das Bewusstsein gefördert, dass der Pfarrdienst tatsächlich nach Stunden abgerechnet werden kann.

• Pfarrer mussten immer mehr Managementaufgaben übernehmen. Wichtige Aufgaben wie Gemeindebesuche kommen oft zu kurz.

• Längst ist es nicht mehr selbstverständlich, dass man für das Gehalt einer Stelle gleich zwei Vollzeitkräfte bekommt – meist haben auch Ehepartner oder -partnerin einen eigenen Beruf.

• Die Grenze zwischen Beruf und Privatleben wird heute auch in der Pfarrfamilie betont.

Welchen Pfarrer wollen wir? Im vergangenen Jahr hatte die Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen diese Frage mit Dringlichkeit gestellt.  Dabei wurden sehr unterschiedliche Ansichten deutlich. Anfang nächster Woche wird die Synode erneut tagen. Im Blick ist dabei auch der abzusehende Mangel an Pfarrerinnen und Pfarrern in den nächsten Jahren. Welche Rolle werden die Laien dabei spielen? Wie stark muss der akademische Anteil an der Ausbildung gewichtet sein (Examensnote; alte Sprachen auch für Quereinsteiger)?

Eine Entscheidung soll im Herbst 2017 fallen. Aber schon jetzt darf man gespannt sein, wo die Diskussion mittlerweile angekommen ist.

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