hg

Altersgrenze neu geregelt

Westfälische Landessynode

17. November 2016

Presbyter scheiden künftig erst nach Ablauf ihrer Amtsperiode aus dem Presbyterium aus

Bild vergrößern
Auch das muss mal sein: Mittagspause in der Synode. Foto: gmh

Anzeige

Bielefeld (epd). Die Presbyter in den 501 Kirchengemeinden der westfälischen Landeskirche können künftig über ihren 75. Geburtstag hinaus im Amt bleiben. Die Landessynode beschloss am Donnerstag in Bielefeld, dass sie erst nach Ablauf ihrer Amtsperiode aus dem Presbyterium, dem Leitungsgremium der Gemeinde, ausscheiden. Bislang endete die Mitgliedschaft von älteren Presbytern automatisch mit Erreichen des 75. Lebensjahres.

Grundsätzlich hält die Evangelische Kirche von Westfalen an der Altersgrenze von 75 Jahren fest. Damit solle eine "schleichende Überalterung" der Leitungsgremien vermieden und Jüngeren die Chance zur Beteiligung gegeben werden, hieß es zur Begründung der Gesetzesänderung. Eine sofortige Verabschiedung aus dem Amt mit dem 75. Geburtstag sei jedoch sowohl umständlich als auch unbarmherzig. Deshalb solle es Presbytern nun möglich sein, bis zum Ablauf der Amtsperiode in der Gemeindeleitung mitzuarbeiten.

Das Presbyterium einer Kirchengemeinde entscheidet unter anderem über Verwaltungs- und Finanzaufgaben, Stellenbesetzungen und Aufnahmen in die Kirche. Die Amtszeit der Presbyter beträgt vier Jahre. Wahlberechtigt sind alle Kirchenmitglieder ab 14 Jahren, die konfirmiert sind. Kandidaten für das Amt des Presbyters (griechisch: "Ältester") müssen volljährig sein.

Gemäß der presbyterial-synodalen Ordnung, nach der sich die Kirche demokratisch von unten aufbaut, sind Presbyterien und Kirchenvorstände auch an der Gesamtleitung der evangelischen Landeskirchen beteiligt: Sie entsenden Vertreter in die Kreissynoden, die wiederum Abgeordnete für die Landessynoden berufen. In allen Leitungsorganen stellen Nicht-Theologen die Mehrheit.

3

Leser-Kommentare öffnen

wpayrr, 24. November 2016, 9:49 Uhr


Auch wenn die neue Regelung zur Altersgrenze eine Verbesserung gegenüber der vorherigen Regelung darstellt, bleibt es doch dabei, dass hier gegen ein elementares Menschenrecht (Verbot der Diskriminierung aufgrund des Alters) verstoßen wird (s. z. B. Art 21 der europäischen Grundrechtecharta). Gerne beruft sich die Kirche darauf, dass sie ihre internen Angelegenheiten selbständig regelt, wie es im Grundgesetz bzw. in den dort übernommenen Artikeln der Weimarer Verfassung festgelegt ist. Allerdings steht dort auch, dass dies "in den Schranken der für alle geltenden Gesetze" gilt; die Menschenrechte und somit das Diskriminierungsverbot sind in Deutschland geltende Gesetze.

Wenn die Landessynode erreichen will, dass die Presbyterien nicht überaltern, muss halt dafür gesorgt werden, dass mehr Jüngere sich für Leitungsämter interessieren.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Paperback, 28. November 2016, 15:29 Uhr


Schon lustig. Man kann mit 75 Bundespräsident sein, aber bald nicht mehr Presbyter.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Schallblech, 28. November 2016, 16:23 Uhr


Entsprechend waren auch vor ein paar Jahren die Worte eines aus Altersgründen ausgeschiedenen Presbyters bei uns: "Jetzt kann ich immerhin noch Bundespräsident werden"
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen