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„Den Namen ,Luther‘ tilgen!“

EKD-Synode

6. November 2016

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm verteidigt die ökumenische Bezeichnung des Reformationsjubiläums als „Christusfest“

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MAGDEBURG (UK) – Evangelisch, lutherisch, katholisch – konfessionelle Traditionen dürften niemals Selbstzweck sein, sondern nur immer nur „Wege zur Neuentdeckung von Christus“. Diese Meinung vertrat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche von Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in seinem Bericht vor EKD-Synode in Magdeburg. Damit verteidigte Bedford-Strohm die in ökumenischen Gesprächen übliche Bezeichnung des Reformationsjubiläums als „Christusfest“. Auf evangelischer Seite sei Kritik laut geworden, dass die „Errungenschaften des Reformation und das damit verbundene reformatorische Profil einer allzu großen Nähe mit den Katholiken zum Opfer fallen könnten“, so der Ratsvorsitzende. Aber nicht eine Einheitskirche sei das Ziel ökumenischer Bemühungen, sondern die „versöhnte Verschiedenheit“, so Bedford-Strohm.

Der Ratsvorsitzende zitierte dabei Martin Luther, der sich ausdrücklich gegen die Verwendung dessen Namens für Glaubensgemeinschaften gewandt habe: „Ich bitte, man wolle von meinem Namen schweigen und sich nicht lutherisch, sondern einen Christen nennen“, so Luther 1522, und weiter „Lasst uns tilgen die parteiischen Namen und uns Christen heißen.“ Damit wolle er nicht grundsätzlich für die Abschaffung der Bezeichnung „lutherisch“ plädieren, so Bedford-Strohm. „Aber jeglicher Konfessionalismus, der die Konfession zum Selbstzweck macht, muss ein Ende haben“, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 6. November 2016, 15:56 Uhr


Wann tritt der Herr Ratsvorsitzende von seinem Amt zurück und bittet den Papst unterwürfig um seine Aufnahme in die Katholische Kirche?
Als Geschenk kann er dem Heiligen Vater ja dann die deutschen Protestanten überreichen.
Mir scheint, da will sich jemand gerade nicht nur vom Namen trennen, sondern von der Reformation insgesamt.
Vielleicht darf Herr Bedford-Strohm dann ja seinen Titel gegen den eines Kardinals eintauschen und sein etwas blass wirkendes Ornat gegen eine prachtvolle purpurne Kardinalsrobe.
Ich fass es nicht. Mit dem Protestantismus geht\'s bergab.

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Ruckzuck, 6. November 2016, 18:03 Uhr


An welcher Stelle des Artikels siehst du einen Grund, so über Bedford-Strohm herzufallen?
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Paperback, 6. November 2016, 19:19 Uhr


Hallo Ruckzuck,
da muss ich nur Bedford-Strohm höchst selbst zitieren:

"Damit wolle er nicht grundsätzlich für die Abschaffung der Bezeichnung „lutherisch“ plädieren, so Bedford-Strohm. „Aber jeglicher Konfessionalismus, der die Konfession zum Selbstzweck macht, muss ein Ende haben“, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende."

Eine solch relativierende Aussage etwa aus dem Mund eines führenden Repräsentanten der Katholischen Kirche ist mir im Bezug auf die Katholische Kirche nicht bekannt.

Und es geht ja, so sehe ich das, nicht nur um Namen, es geht um Inhalte. Das Amtsverständnis von Pfarrern und Priestern etwa, die unterschiedliche Bedeutung von Eucharistie und Abendmahl, die Frage der Wiederverheiratung Geschiedener, die Heiligenverehrung.

Eine Frau Käesmann hätte es in diesem Amt und ihrer damaligen Funktion in der Katholischen Kirche ebenso wenig gegeben wie die anderer führender protestantischer Repräsentantinnen.

Aber unsere hochverehrten weiblichen Repräsentantinnen hüllen sich da gerade in Schweigen, wohlwissend, dass sie dann ein Pulverfass
öffnen.

Für mich riecht das nicht nach Gemeinsamkeit, sondern nach Machtstreben der "Mutter aller Kirchen". Und einige unserer Repräsentanten üben sich da gerade als Steigbügelhalter.

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Alwite, 6. November 2016, 21:51 Uhr


„Versöhnte Verschiedenheit“
ist was wir in unserer Gemeinde leben. Wenn EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm dies befürwortet, kann ich ihm nur zustimmen.
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Paperback, 6. November 2016, 22:47 Uhr


Ok. Ich stimme ausdrücklich nicht zu.
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Ulrich Keßler, 7. November 2016, 12:37 Uhr


REFORMATION - NICHT RE-FORMATION

Noch wird „Der Schöne“ er genannt,
bald aber „Heinrich ohne Land“,
wenn sich die „lutherischen“ Massen
von ihm nicht „re-formieren“ lassen:

Ein Protestant, auch ökumenisch,
wird niemals wieder päpstlich-römisch.
Er nennt, als seines Glaubens Kern,
nur Jesus Christus seinen HERRN!

Dies gilt es nächstes Jahr zu feiern,
da kann der Bedford noch so leiern:
Wär Martin Luther nicht gewesen,
es kehrten noch die alten Besen!

Anhang:

Sterb ich dereinst, als Lutheraner
und unentwegter strenger Mahner,
dann schreibt auf meinem Grab hienieden:
„Ein Protestant – versöhnt verschieden!“ UK

Mit herzlichen Grüßen an
Paperback, Ruckzuck und Alwite
sowie die liebe Redaktion
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Paperback, 7. November 2016, 15:05 Uhr


Lieber Ulrich Keßler,

ich lese:

"Dies gilt es nächstes Jahr zu feiern,
da kann der Bedford noch so leiern:
Wär Martin Luther nicht gewesen,
es kehrten noch die alten Besen! "

Das ist doch ein Wort und dem kann ich mich ohne Bedenken anschließen.

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Ruckzuck, 7. November 2016, 16:18 Uhr


Vielen Dank für die wohlgesetzten Worte, Ulrich Keßler.
Paperback: Tut mir leid, an der von der zitierten Passage ist aus meiner Sicht nun wirklich rein gar nichts auszusetzen. "Jeglicher Konfessionalismus, der die Konfessionen zum Selbstzweck hat", da kann ich auch nur sagen: Den will ich auch nicht.
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Alwite, 8. November 2016, 8:35 Uhr


Kürzlich, bei einem Vortrag im Planetarium, wurde mir wieder einmal meine Winzigkeit bewusst, dabei kennen wir nur einen Teil der Galaxien um uns herum, in Wahrheit ist das Universum weit größer...
Gestern stand in einem Brief an mich, dass jeder seine Wahrheit für die einzig richtige hält - selbst, wenn auch weit davon entfernt, meine Wahrheit für die einzige zu halten, müssen wir um das Leben zu meistern, der eigenen "Wahrheit" folgen...
Da ist es gut, mich an Werten (oder die ich dafür halte) ausrichten zu dürfen. Wenn ich In allem ohne das Konstruktive zu beachten, ausschließlich den Destruckt sehe, gebe ich meiner eigenen Armseligkeit all zu einseitig nach.
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