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Hoffnungszeichen für die Ökumene

27. Oktober 2016

Die 500-Jahr-Feier zum Beginn der Reformation lässt die Kirchen näher zusammenrücken. Sie stellen die Gemeinsamkeiten immer mehr vor das Trennende. Optimisten hoffen auf eine Papstgeste für ein gemeinsames Abendmahl für konfessionsgemischte Paare.

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Kardinal Kurt Koch Foto: epd-Bild

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Frankfurt a.M./Rom (epd). Kurz vor Beginn der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum kommen aus der katholischen Kirche positive Signale zur Ökumene. Im Bekenntnis zu Jesus Christus "findet sich die Kirche geeint", sagte der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit". Der frühere vatikanische "Ökumeneminister", Kardinal Walter Kasper, erklärte in der "Zeit", nach 500 Jahren sei es höchste Zeit, "ganz zu werden, was wir sind: Christen." Christliche Reformgruppen riefen unterdessen die Kirchen dazu auf, ihre theologischen Differenzen beizulegen.

Der Präsident des päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch, betonte die Bedeutung der gemeinsamen Reformationsgedenkfeier von Papst Franziskus mit den Spitzen des Lutherischen Weltbundes (LWB) am kommenden Montag. Erstmals werde ein solcher Jahrestag auf beiden Seiten nicht mit "polemischen Tönen" begangen, sondern gemeinsam. Das sei "nicht selbstverständlich", sagte der Ökumene-Beauftragte des Papstes am Mittwoch im Vatikan im Vorlauf zur Papstreise ins schwedische Lund.

Papst "immer für Überraschungen gut"

Franziskus sei "immer für Überraschungen gut", betonte der Schweizer Kardinal Koch im Hinblick auf Forderungen nach einer Lockerung des Verbots gemeinsamer Abendmahlsfeiern von Katholiken und Lutheranern etwa für gemischtkonfessionelle Ehepaare. Bei der Vorbereitung der in Lund geplanten Gedenkfeier am 31. Oktober habe es "viele Schwierigkeiten" gegeben, sagte Koch, ohne Einzelheiten zu nennen. Papst Franziskus wird am 31. Oktober in Lund gemeinsam mit LWB-Präsident Munib Younan und LWB-Generalsekretär Martin Junge einen ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren feiern.

Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, geht davon aus, dass im unterschiedlichen Amtsverständnis von Katholiken und Protestanten Gemeinsamkeiten gefunden werden können. Das Amt müsse "nicht auf Dauer als kirchentrennend angesehen werden", auch wenn die "Wegstrecke zu einer Einigung nicht zu unterschätzen ist", sagte der bayerische Landesbischof der Zeitschrift "Herder Korrespondenz" (November-Ausgabe).

Die unterschiedlichen Lehren vom Amt und vom Abendmahl seien die Themen, "die einer Einheit noch am meisten entgegenstehen", sagte Bedford-Strohm. Doch wie in der Rechtfertigungslehre sollten die beiden Kirchen auch hier in der Ökumene zu einem "differenzierten Konsens" kommen. Der Schlüssel beim Amtsverständnis liege "in der Besinnung auf Christus", sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten. Denn beide Kirchen teilten die Überzeugung, "dass das Amt uns von Gott, von Christus gegeben ist".

Kirchenvolksbewegung: Kirchen verzetteln sich im Klein-Klein

Im "Wittenberger Appell" der katholischen Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" heißt es: "Den Skandal", dass Katholiken und Protestanten nicht gemeinsam Abendmahl feiern dürften, seien sie als mündige Christinnen und Christen "nicht länger bereit hinzunehmen". Das am Mittwoch verbreitete Papier trägt das Motto "Die Welt brennt - die Kirchen verzetteln sich im Klein-Klein".

Nach Ansicht von Kardinal Karl Lehmann (Mainz), Ökumene-Experte und früherer Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, hilft das Reformationsgedenkjahr dabei, das "Christentum in unserem Land zu stärken. Wir feiern dieses Jubiläum anders: Früher neigten wir zur Abgrenzung voneinander und damit zu einer erhöhten Selbsteinschätzung. Jetzt sind auch wir Katholiken miteingeladen." Die Bekenntnisse der Kardinäle Lehmann, Kasper und Müller, der als die einflussreichste Person im Vatikan nach Papst Franziskus gilt, sind Teil von 95 Thesen von Prominenten, die die Hamburger Wochenzeitung zum Reformationstag am 31. Oktober zusammengetragen hat.

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Leser-Kommentare öffnen

Ulrich Keßler, 2. November 2016, 12:24 Uhr


Das war wohl keine der Überraschungen, für die der Papst gut sein soll:
Papst Franziskus hat dem Priesteramt für Frauen eine klare Absage erteilt. „Was die Weihe von Frauen in der Katholischen Kirche betrifft, ist das letzte Wort klar gefallen. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat es gesprochen, und so bleibt es“. (Zitat nach der WAZ von heute)

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Paperback, 4. November 2016, 11:34 Uhr


Und dennoch, lieber Ulrich Keßler, laufen unsere Repräsentanten -voran die weiblichen Amtsträgerinnen- dem Gedanken der Ökumene wie einer Monstranz hinterher.
Sie dürfen sich ja auch - gemeinsam mit einem Bischof, ja sogar mit einem leibhaftigen Kardinal - auf der großen Bühne inszenieren, um uns allen ein Szenario vorzugaukeln, was es in Wahrheit gar nicht gibt.
Ökumene ist schlicht eine Mogelpackung, die nur insoweit akzeptiert wird, wie es der Katholischen Kirche zweckmäßig erscheint.

Paperback
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Atlantica, 4. November 2016, 16:31 Uhr


Es ist merkwürdig: mit Margot Käßmann an der Spitze hat es nicht geklappt. Und doch bin ich sehr für Frauen als Pfarrerinnen und ich möchte auch das Hoffnungszeichen nicht kleinreden, Paperback.
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Ulrich Keßler, 4. November 2016, 17:43 Uhr


Lieber Paperback, wir stimmen in vielem überein:
Zum Beispiel auch darin, dass manche unserer jetzigen evangelischen KirchenOberen ihre Art Ökumene "auf der großen Bühne inszenieren, um uns allen ein Szenario vorzugaukeln, was es in Wahrheit gar nicht gibt". Da war Vieles große Show und eitle Selbstdarstellung, so dass man nicht mehr hinsehen konnte! Aber dass Ökumene überhaupt "eine Mogelpackung" ist, damit bin ich, aus jahrzehntelanger Erfahrung, nicht einverstanden:
Die Ökumene der KirchenUnteren ist eine wunderbare Sache! Ich habe gute Freunde, die katholisch und reformatorisch geprägt sind, wie auch ich einiges von meinen katholischen "Geschwistern" gelernt habe, so dass wir uns im Glauben und von Herzen wirklich nahe sind. Solche Erfahrungen kann ich Ihnen nur wünschen!
Ich habe es an dieser Stelle ja auch schon mehrfach betont:
Die Basisleute (einschließlich der Pfarrer und Priester!) sind viel weiter als DieDaOben! Wenn diese mit ihrer (seit Jahrzehnten propagierten) Politik der kleinen Schritte immer so weiter machen, kommen sie nie unten an! Da müssten sie nämlich ganz demütig werden, von ihren hohen Rössern herabsteigen und so klein werden wie die Kleinsten im Himmelreich! Das wäre dann wirklich ein "Christusfest", weil der viel beschworene Christus dann endlich von ihnen ernst genommen würde: "Ein jeder sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war" (Philipper 2). - LG Ulrich Keßler
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Schallblech, 4. November 2016, 18:07 Uhr


"Die Basisleute (einschließlich der Pfarrer und Priester!) sind viel weiter als DieDaOben! "
Ja! unsere Gemeinden im Ortsteil, die Katholische und die Evangelische, praktizieren schon seit vielen Jahren Ökumene. Jetzt haben die Nachbarn einen neuen Priester bekommen, was uns zunächst natürlich Sorgen machte: Wer kommt da? schicken die uns jetzt extra einen hartleibigen Romvasallen?
Nein :)
Er ist genauso offen wie sein Vorgänger. Es geht weiter mit uns, und wir werden nächstes Jahr den Reformationstag selbstverständlich gemeinsam feiern.
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Ulrich Keßler, 4. November 2016, 18:36 Uhr


"den Reformationstag selbstverständlich gemeinsam feiern" - das ist doch prima! Glück auf!
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Alwite, 12. November 2016, 10:48 Uhr


Wir haben den Reformationstag gemeinsam gefeiert!
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