hg
Bild vergrößern
Hillary Clinton könnte die erste Frau an der Spitze der mächtigsten Nation der Erde werden. Foto: Ali Shaker/VOA/Wikipedia

Anzeige

Hillary for president – total normal?

US-Wahlen

Von Martin Treichel | 7. Oktober 2016

Hillary Clinton und Donald Trump: Da prallen Gegensätze aufeinander. Sollte Clinton die Wahl gewinnen, stünde zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der mächtigsten Nation der Erde

Bild vergrößern
Hillary Clinton könnte die erste Frau an der Spitze der mächtigsten Nation der Erde werden. Foto: Ali Shaker/VOA/Wikipedia

Dieser Artikel stammt aus dem Magazin EINS*

„History“. Es war nur ein Wort, das Hillary Clinton in alle Welt twitterte, nachdem ihre Nominierung als Präsidentschaftskandidatin für die US-Wahlen im November feststand. Nur ein Wort: „Geschichte“. 100 Jahre, nachdem in den USA das Frauenwahlrecht eingeführt wurde und 227 Jahre nach den ersten  US-Präsidentschaftswahlen, schickt erstmals eine der beiden großen Parteien eine Frau in das Rennen um das höchste Staatsamt der USA.  
Ihr Kontrahent? Donald Trump, ein exzentrischer Multimillionär. Einer, der mit Privatflugzeugen, Wolkenkratzern und blondierten Models protzt. Einer, der noch einmal das ewig gleiche Männermachttheater auf den Bühnen der Welt aufführen will. Einer, der für ein Männerbild steht, dessen Zeit längst abgelaufen ist. Denn Trump verkörpert eine traditionelle Männlichkeit, die Frauen und Männern schweren Schaden zugefügt hat. Er ist ein „yesterday man“ – ein Mann von gestern.
Demokratin gegen Republikaner. Nüchternheit gegen Wichtigtuerei. Und eben: Frau gegen Mann. Gewinnt Hillary Clinton, dann ist zum ersten Mal, seit die Erde sich dreht, der wohl mächtigste Mensch der Welt eine Frau.   
Manche mögen sagen: Na und? Ist doch das Normalste der Welt. Ist es aber nicht. Was wir hierzulande erleben, sind die Ausnahmen: eine Frau als Bundeskanzlerin. Eine Frau als Präses in der westfälischen Kirche. „Normal“ ist nach wie vor, dass sich in den Führungspositionen in Politik und Kirche, Wirtschaft und Medien die Männer die Klinke in die Hand geben. „Normal“ ist nach wie vor, dass Frauen schlechter bezahlt werden, weniger Aufstiegsmöglichkeiten haben, das Kinderbekommen mit dem Karriereknick bezahlen.
Deshalb ist es gut, wenn Frauen Führungspositionen übernehmen. Auch Hillary Clinton wird Fehler machen und das Regieren nicht neu erfinden. Aber sie wird zeigen, dass es keinen Job gibt, den nicht auch eine Frau gut machen kann. Und es ist gut, wenn Männer Machtpositionen räumen. Nicht zuletzt für uns Männer. An anderen Orten sind Kompetenzen und Fähigkeiten von Männern nicht weniger gefragt und gebraucht. Fürs Erste braucht es deshalb vielleicht weniger Männer im Weißen Haus und in den Führungsetagen, stattdessen auf Spielplätzen, in Bildungseinrichtungen und auf Elternabenden. Es braucht Männer, die mit Herz und Verstand Kinder erziehen, für die Misserfolge keine Weltuntergänge sind und die ihre Ziele nicht mit dem Ellenbogen und in Seilschaften verfolgen, sondern mit Charme und Humor. Männer, für die auch der Wickeltisch und die Kinderarztpraxis keine fremde Welt darstellen. Denn auch da geht es um die Zukunft eines Landes.
Die Ahnengalerie der US-Präsidenten zeigt 44 Personen. Allesamt Männer.  Das Jahr 2016 hat am 8. November  eine epochale Chance: wenn US-Präsident Nummer 45 eine Frau wird.
Her story.

• Martin Treichel ist Landesmännerpfarrer der Evangelischen Kirche von Westfalen

EINS* liegt UK Nr. 41 bei und ist auch in unserer digitalen Ausgabe enthalten.

Als ePaper:
Bei United Kiosk

In unserer App für iPhone und iPad:
UK digital aus dem App Store herunterladen

Und für Android Smartphones und Tablets:
UK digital im Google Play Store

EINS* erscheint im Evangelischen Presseverband für Westfalen und Lippe in Zusammenarbeit mit dem Frauenreferat der EKvW im Institut für Kirche und Gesellschaft, der Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen.

11

Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 9. Oktober 2016, 11:29 Uhr


Lieber Herr Treichel,

dass Hillary Clinton eine Frau ist, die dabei ist, Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden, ist nur eine Seite der Medaille. Mir wird bei dem Gedanken, ein Mr. Trump könnte dieses Amt erobern, richtig schwindelig. Ein Präsident Putin auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Donald Trump das wäre wahrhaft eine waghalsige Konstellation.
Zwei Testosteron gesteuerte Herren, die das Schicksal der Welt in Händen hielten, wecken nicht gerade Zuversicht in das Weltgeschehen.
Insofern bin ich bei Ihnen.
Allerdings lese ich, dass Sie Landesmänner-Pfarrer sind und als solcher gerade dabei, dem Matriarchat auf allen gesellschaftlichen Ebenen das Wort zu reden.
Ich hatte mal das "Vergnügen" einer virtuellen Begegnung mit einem "Männerpfarrer" und dabei am Ende das Gefühl, mich dann doch besser gleich ans Frauenreferat gewandt zu haben.
Haben Männer inzwischen keinen Platz mehr in unserer Kirche und und sollen sich auf Kindererziehung und Haushalt beschränken?
Glauben Sie schließlich noch, dass eine Frau in unserer Kirche und in einem vergleichbaren Amt wie Sie, auf ähnliche Weise für uns Männer votieren würde?
Ist das Ihre Aufgabe?. Doch wohl nicht!
Persönliche Erfahrung zum Schluss: Ich war über einige Zeit alleinerziehender Vater mit bis zu vier Kindern in der Spitze.
Da wandte ich mich auch an das Männerreferat. Unterstützung wurde mir nicht zuteil. Man machte sich dagegen sorgenvolle Gedanken über eine Frau, die die Koffer genommen und Kinder und Ehemann zurückgelassen hatte.
Für mich und meine Kinder interessierte sich niemand. Insofern macht mich Ihr Engagement stutzig.
Ihr wollt nicht Gleichgewicht, Verständigung. Ihr wollt eine Umkehr der Verhältnisse. Da fallen wir Männer immer durch.

Paperback

Martin Treichel, 11. Oktober 2016, 12:12 Uhr


Lieber "Paperback", Sie haben mich missverstanden. Keinesfalls rede ich dem Matiarchat das Wort. Und will auch nicht eine Umkehrung der Verhältnisse. Ich denke aber, dass eine Frau genauso die Geschicke der USA oder Deutschlands oder der evangelischen Kirche von Westfalen lenken kann wie ein Mann. Und ich denke, dass ein Mann ebenso gut Kinder erziehen kann, wie eine Frau. Diese Auffassung habe ich ebenso privat wie in meinem Auftrag als Pfarrer für Männerarbeit.
Gerne können wir darüber ins Gespräch kommen. Vielleicht gelingen uns bessere Erfahrungen, als die, die Sie bislang mit Männerreferaten oder Männerpfarrern gemacht haben.
Herzliche Grüße!
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Schallblech, 9. Oktober 2016, 15:25 Uhr


Jetzt müßte die Redaktion fairerweise Herrn Treichel benachrichtigen, damit er in der Lage ist, zu den Fragen und Vorwürfen von Paperback Stellung zu nehmen.

Paperback, 9. Oktober 2016, 20:44 Uhr


Schallblech,

ich denke, wenn jemand wie Pfarrer Treichel sich hier so heftig und einseitig polarisierend ins Zeug legt, sollte er vielleicht auch selbst am Echo auf seine Einlassungen interessiert sein.
Ich bin das ja auch.

Paperback
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Ulrich Keßler, 9. Oktober 2016, 20:00 Uhr


Da muss ich Herrn Treichel aber ganz energisch widersprechen:
Donald Trump verkörpert für mich gerade NICHT "eine traditionelle Männlichkeit", sondern einen ausgesprochen perversen Männertyp - und das ist etwas anderes! Trump ist in meinen Augen nicht "ein Mann von gestern", also auch kein "Ehrenmann", sondern ganz einfach ein Fiesling!
Die Einordnung, die Herr Treichel vornimmt, empfinde ich daher als verletzend für alle noch real existierenden "traditionellen" Männer.
Ich halte es für unzulässig, Männer,
die (noch) "traditionell" erzogen worden sind bzw. sich (immer noch!) an einem "traditionellen" Männerbild orientieren;
die täglich (im Beruf, in der Ehe, als Väter usw.) "ihren Mann stehen" und Frauen mit Achtung gegenüber treten,
in einen Topf zu werfen mit diesem, so wie ich es sehe, unerträglichen Sexprotz und Sexisten, dem sie in keiner Weise ähneln! -

NACHTRAG am 10. Oktober 2016, 15:20 Uhr:
Ich würde von Herrn Treichel gerne wissen, wie er "eine traditionelle Männlichkeit" definiert bzw. was für ihn dazu gehört.
Ich selbst habe in der Männerarbeit so viele so unterschiedliche (meist ältere!) Männer kennengelernt, dass ich mit einer allgemein-gültigen Definition keinem gerecht werden würde...



Martin Treichel, 11. Oktober 2016, 12:05 Uhr


Lieber Herr Keßler, der Begriff der "traditionellen Männlichkeit" ist sehr breit im neuen Buch des Männerpsychologen Björn Süfke beschrieben. Zu den Charakteristika dieser "traditionellen Männlichkeit" gehören für ihn, dass wir durch eine Zeit geprägt sind, in denen vieles für Männer "verboten" war: Gefühle zu haben bspw., zu versagen oder unterlegen zu sein. Mit Süfke bin ich der Überzeugung, dass es ein Segen ist, wenn diese Zeit nun allmählich vorbei geht. Donald Trump verkörpert, so verstanden, eine Extremform der aussterbenden traditionellen Männlichkeit. Keinesfalls war es meine Absicht, andere Männer pauschal mit Mr. Trump in einen Topf zu werfen. Wenn ich Sie verletzt haben sollte, tut mir das leid. Und bin am Austausch und Gespräch sehr interessiert. Herzliche Grüße!

Atlantica, 11. Oktober 2016, 14:42 Uhr


Wenn man das Schema männlich - weiblich zugrunde legt, dann finde ich die Aufwertung weiblicher Eigenschaften begrüßenswert: wenn es nämlich stimmt, dass Männer jetzt auch fühlen dürfen, dass sie auch versagen dürfen und unterlegen sein können. Doch sicher werden auf Dauer die Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht vollkommen eingeebnet werden können: zu unterschiedlich sind sie, von Natur aus. Von daher: zurück zur Natur!
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Paperback, 9. Oktober 2016, 20:39 Uhr


Danke, Ulrich Keßler.
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Atlantica, 11. Oktober 2016, 14:59 Uhr


Man darf auch zwei Dinge nicht miteinander vermengen:

Die Bemühung um Emanzipation.

Die Tatsache, dass viele Frauen nach wie vor im Mann einen Beschützer sehen, die Kindererziehung gerne alleine (!) verantworten.

Paperback, 17. Oktober 2016, 12:23 Uhr


Atlantica,

in der Tat, und solche Frauen fühlen sich durch diese verquere Gender-Diskussion mindestens so irritiert wie ich gelegentlich.

Paperback
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login

Ulrich Keßler, 11. Oktober 2016, 18:57 Uhr


Lieber Herr Treichel,
erst einmal Danke, dass Sie auf meine "Bitte" eingegangen sind und geantwortet haben! Das ist nicht selbstverständlich! In den letzten Jahren haben das von den Verfasser*innen, die ich in diesem Forum entsprechend gebeten bzw. herausgefordert hatte, nur zwei getan. Beide Male waren es Männer!
Nun aber zum Inhaltlichen:
Wenn Sie in Ihrer Antwort schreiben, Donald Trump verkörpere "eine Extremform der aussterbenden traditionellen Männlichkeit", so mag ich dem (noch) zustimmen können in Verbindung mit Ihrem Zusatz, dass diese (besser: dieser!) "Frauen und Männern schweren Schaden zugefügt hat". -
Zu Ihrer Charakterisierung der "traditionellen Männlichkeit" (nach Süfke), möchte ich an dieser Stelle nur zweierlei (kurz) anmerken:
1. Gefühle kann man als Mensch anderen Menschen (Männern wie Frauen) gegenüber zeigen - von denen man weiß, dass sie dies nicht missbrauchen. Vor den anderen muss man sich hüten.
2. Ich habe in unserer Kirche nicht wenige Männer (bis hinein ins Landeskirchenamt) kennengelernt, die nicht machthungrig oder gar machtgierig waren, obwohl sie sich als ganz traditionelle Männer verstanden. Vielleicht lag es daran, dass sie ihrem Mannsein das Christsein vorgeordnet hatten?! Entsprechendes kann ich auch von nicht wenigen Frauen sagen. Aber es gibt auch gegenteilige Beispiele, nicht nur unter den 'Früheren', sondern auch unter denen, die sich für nicht "von gestern" halten. -
Sicher sind wir uns darin einig, dass es zu allen Zeiten Christen und Christinnen gegeben hat, die als Männer und Frauen in den Grenzen ihrer Zeit "mit Herz und Verstand" ihren Glauben gelebt haben und darin bis heute als vorbildlich angesehen werden können!? -
Ebenfalls: Herzliche Grüße!
Bitte melden Sie sich erst an, um eine Antwort zu verfassen
zum Login
Bitte melden Sie sich erst an, um einen Kommentar zu verfassen
zum Login
Per E-Mail empfehlen