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Mündige Christen, die nach Gottes Wort fragen: So stellt sich der Theologe Jörg Zink die Kirche der Zukunft vor. Hier arbeiten Gläubige aus Bangladesch mit der Bibel. Foto: epd
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Maßstab Bibel

Theologie

Aus der Printausgabe - UK 39 / 2016

Von Anke von Legat | 24. September 2016

In einem seiner letzten Bücher beschäftigt sich der Theologe Jörg Zink mit der Frage, wie die Kirche in Zukunft überleben kann. Leitbilder dafür fand er in der Geschichte der Urchristenheit

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Mündige Christen, die nach Gottes Wort fragen: So stellt sich der Theologe Jörg Zink die Kirche der Zukunft vor. Hier arbeiten Gläubige aus Bangladesch mit der Bibel. Foto: epd

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Wie wird es weitergehen mit dem christlichen Glauben, mit der Kirche? Der kürzlich verstorbene Theologe und Autor Jörg Zink widmete dieser Frage sein letztes biblisch-theologisches Buch. Zink sucht in der Bibel nach Bildern, die die Kirche überlebensfähig machen können. Er hat sich dafür die Ursprünge der christlichen Bewegung genau angesehen: Die Paulusbriefe als früheste Zeugnisse, die weiteren Briefe des Neuen Testaments, die Apostelgeschichte und die Offenbarung des Johannes.
Sein wichtigstes Ergebnis: „Eine am Evangelium orientierte Kirche lebt aus der Mündigkeit der Laien.“ Das, was Kirche ausmacht, können daher nicht Ämter oder Organisationsformen sein; vielmehr sind es Menschen, die „das Wort der Bibel selbständig zu hören und zu verstehen suchen“, die „urteilen können über das, was es sagt und was es nicht sagt, was ihrer Gemeinschaft das Maß gibt und das Wesen“.
Zink versucht daher, die Erkenntnisse der theologischen Wissenschaft über die biblischen Berichte zu den Anfängen der Christenheit verständlich darzustellen.  Seine Herangehensweise an die Bibel ist dabei geprägt von dem Gedanken, dass die Überlieferung und fortwährende Interpretation dieser Glaubenstexte über Generationen hinweg etwas zu den ursprünglichen Aussagen hinzufügt. „Wenn wir heute versuchen, diese Botschaft in die Sprache und die Bilder unserer Zeit zu übersetzen, werden wir Gedanken denken müssen, die Paulus oder Johannes so nicht hätten denken können“, schreibt Zink. Der Grund für diese Weiterentwicklung ist, dass Gott in der Geschichte zu den Menschen gesprochen hat und auch noch heute spricht. Daher kann auch das, „was gewesen sein soll, uns nicht zur Vorschrift werden“.
Nur: Woran erkennen wir heute Gottes Wort an uns?
Das ist nicht leicht zu erklären, denn, so der Theologe: Das Wort Gottes hat eine „schwebende Flüchtigkeit“ und Leichtigkeit, die mit Worten kaum zu fassen ist. Trotzdem zählt Zink einige Kriterien auf: Da ist zum einen etwas Fremdes, das den Menschen ergreift und das sogar von einem Gefühl der Angst begleitet sein kann, aber auch von Beglückung. Es öffnet den Blick für das „Spiel des Daseins als Ganzes“. In einer Gemeinschaft ist es leichter, dieses Gewicht zu tragen und zu interpretieren. Letztlich setzt es den Menschen in Bewegung und verändert ihn. „Die Nähe von etwas unendlich Fernem erscheint. Wir wissen uns zu Hause“, so
beschreibt Zink diese Erfahrung.
Und wie sollen wir handeln? „Wenn ich Jesus gut zuhöre, dann spricht er immer zuerst von dem, was wir lassen sollen", so Zink. Verzicht, Gewaltlosigkeit um jeden Preis und Wahrheit sind die Kennzeichen eines lebendigen Glaubens in einer lebendigen Kirche.

Jörg Zink: Vom Geist des frühen Christentums. Den Ursprung wissen – das Ziel nicht verfehlen. Kreuz-Verlag, 391 Seiten, 19,95 Euro.

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Leser-Kommentare öffnen

Ulrich Keßler, 12. Oktober 2016, 9:20 Uhr


Zur Überschrift "Maßstab Bibel":
Ich dachte, wir wären uns, als von Luther geprägte Protestanten, darüber einig, dass nicht die Bibel Maßstab für uns ist, sondern Christus, nach Luthers Kriterium "was Christum treibet"!? Also müsste die Überschrift doch eher lauten "Maßstab Christus", oder?

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Atlantica, 12. Oktober 2016, 9:49 Uhr


Lieber Ulrich Keßler,

Martin Luther baute seine Theologie auf den vier Fundamenten auf:

Solus Christus
Sola fide
Sola gratia
Sola scriptura

Allein Christus
Allein des Glaube, das Vertrauen
Allein die Gnade
Allein die Schrift

Luther war also in Bezug auf die Bewertung der Bibel noch ein Kind des Mittelalters.

Ulrich Keßler, 12. Oktober 2016, 10:03 Uhr


Lieber Atlantica,
das sehe ich anders,
weil Luthers vier Säulen des Glaubens gerade gegen die mittelalterlichen Lehrauffassungen und Praktiken seiner Kirche aufgerichtet waren, die diese (vereinfacht gesagt) als heilswirksam gleichwertig neben Christus, Glaube, Gnade und Heilige Schrift stellte.
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Atlantica, 12. Oktober 2016, 10:23 Uhr


Ich weiß nicht, wie die theologische Wissenschaft denkt, das kann ich nicht beurteilen. Meiner Meinung nach ist das christliche, biblische Weltbild (dass wir uns nicht falsch verstehen: ich bin Christ) mittelalterlich. Daran kann auch der gute Martin Luther nichts ändern. Luther hielt das biblische geo-zentrische Weltbild gegen zeitgenössische Einwände für richtig. Er ist nicht der Aufklärer, als der er im allgemeinen angesehen wird.
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