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Zusammensitzen, essen und trinken, Gemeinschaft erleben – all das gehörte von Anfang an zum christlichen Glauben. Nicht von ungefähr wird in den Evangelien mehrfach erzählt, wie Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gemeinsam beim Essen saß und sich um ihr leibliches Wohl sorgte. In den frühen Gemeinden wurde das Abendmahl als Mahlzeit gefeiert, denn man wusste: Es steckt eine große Kraft in diesem Zusammensein. Eine Kraft, die nach außen wirken kann. Foto: epd
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Volker Neuhoff (55) ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn.

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Essen für Leib und Seele

Andacht

Dieser Artikel ist auch als Audiobeitrag verfügbar:



Aus der Printausgabe - UK 39 / 2016

Von Volker Neuhoff | 25. September 2016

Andacht über den Predigttext zum 18. Sonntag nach Trinitatis: Römer 14, 17–19

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Zusammensitzen, essen und trinken, Gemeinschaft erleben – all das gehörte von Anfang an zum christlichen Glauben. Nicht von ungefähr wird in den Evangelien mehrfach erzählt, wie Jesus mit seinen Jüngerinnen und Jüngern gemeinsam beim Essen saß und sich um ihr leibliches Wohl sorgte. In den frühen Gemeinden wurde das Abendmahl als Mahlzeit gefeiert, denn man wusste: Es steckt eine große Kraft in diesem Zusammensein. Eine Kraft, die nach außen wirken kann. Foto: epd
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Volker Neuhoff (55) ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn.

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Predigttext
17 Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. 18 Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet. 19 Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.

Liebe geht durch den Magen.“ – „Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen.“ – Ich mag diese Sprichwörter. Wegen ihrer Lebensweisheit. Sie erinnern mich an schöne Bilder: enge Küchen voller Menschen, von denen die wenigsten kochen. Picknick unterwegs. Hübsch gedeckte Tische, die Lust machen, Platz zu nehmen und Zeit miteinander zu verbringen. Der Duft von Blumen ist in meiner Nase, von Gewürzen, von Kaffee. Ich meine gar, jetzt die Lieblingsspeise der Gastgeberin wieder zu schmecken und den fruchtigen Wein, der mir eingeschenkt wurde. Und plötzlich sind die Stimmen und Gespräche wieder lebendig, die das Essen zu zweit oder an einer großen Tafel prägten. Was durch den Magen geht, kann viel mehr sein als bloße Nahrungsaufnahme. Die Menge macht es nicht, aber die Liebe, die zu spüren ist und uns selig macht.

Zusammen essen: Gemeinschaft erleben

„Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen.“ Diese Weisheit entdecke ich auch im Gemeindeleben. Da ist die Küsterin, die im Hauptberuf in einem Restaurant arbeitet und in ihrer Kirche Gastfreundschaft ganz groß schreibt. Andernorts tragen beim Gemeindefest viele zum schmackhaften Mitbringbüfett bei. Woanders wird im Gemeindehaus wochentags ein Mittagessen gekocht für alle, die mit oder ohne Geld kommen und gemeinsam mit anderen essen wollen. Eine Kirche wird regelmäßig umgestaltet: Statt der Kirchenbänke laden Tischgruppen zum Gottesdienst bei Kaffee und Kuchen ein. Kein Kirchentag ohne das bewegende Feierabendmahl.
„Liebe geht durch den Magen.“ Darum bereitet Gott einen Tisch im Angesicht der Feinde, findet sein Volk wohlschmeckendes Manna. Darum geschieht das erste Wunder Jesu bei einer Hochzeit, der der Wein ausgegangen war. Darum werden über fünftausend Menschen satt, obwohl es so aussah, als würden fünf Brote und zwei Fische dafür niemals reichen. Gottes Liebe geht durch den Magen. Die Menge des Essens macht es nicht, aber die Liebe, die der Seele gut tut und sie zusammenhält.
Denn es gibt so viele Erlebnisse und Nachrichten, die auf den Magen schlagen. Es tut in der Seele weh und kann sie zerreißen, mitzuerleben, wie unsere Gesellschaft ängstlicher wird und darauf vielfach mit aggressiver Haltung, rauen Tönen, rohem Benehmen reagiert. „Angst essen Seele auf“. Es gibt manche, die Ängste und Hass schüren. Einzelne beschwören gar einen Bürgerkrieg herauf. Freude wird klein geredet.

Sitzen wir zu wenig zusammen am Tisch?

Von Gerechtigkeit und Frieden ist nur wenig zu hören.
Sitzen wir zu wenig miteinander am Tisch? Gemeinsam zu essen und zu trinken vermag etwas zu verändern, kann Menschen und Seelen zusammenbringen.
Vor 20 Jahren hat der Pfarrer und Künstler Sieger Köder für die Fastenaktion Misereor ein Bild gemalt, das eine ungewöhnliche Tischgemeinschaft darstellt: Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, sitzen an einem üppig gedeckten Tisch. Bisher Fremde kommen miteinander in Kontakt. Leute, zwischen denen das Tischtuch zerrissen war, reichen einander von den Speisen. Menschen, denen Sorgen und Angst und zugleich ihre Sehnsucht und ihr Hunger nach Leben ins Gesicht geschrieben sind, lassen sich von ihrem Gastgeber Christus stärken an Leib und Seele. Das Reich Gottes ist ganz nah. Von diesem Tisch breiten sich Gerechtigkeit und Friede und Freude aus.

Die biblische Vision weitermalen

Darum ist er nach vorn hin offen. Wir könnten uns dransetzen und diese biblische Vision in der Gegenwart weitermalen.
Was dient dem Frieden und der Erbauung? – In nicht geringem Maße die Liebe, die durch den Magen geht. Vielleicht haben Sie eine Idee für eine ungewöhnliche Tischgemeinschaft? Probieren Sie es aus! Spannendes Gesprächsthema beim Essen und Trinken könnte sein, was Ihre Gäste und Sie mit dem Stichwort „Reich Gottes“ verbinden. Allem, was zum Frieden dient, lasst uns nachstreben.

Gebet: Guter Gott, lass uns Freude erfahren in unseren Begegnungen und Gesprächen mit anderen, beim gemeinsamen Essen und Trinken, bei der Suche nach Frieden und Gerechtigkeit. Schenk uns die Kraft deines Geistes, in der wir den Spuren deines Reiches nachgehen und entdecken wollen, was Leib und Seele gut tut. Amen.

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Leser-Kommentare öffnen

Christkind, 23. September 2016, 20:34 Uhr


Leider am Thema - wie schon öfter - vorbei. Den Text nicht gelesen und die saturierte Gesellschaft im Blick. Was soll der UNSINN, wenn Paulus doch so wichtiges zu sagen hat.
Beste Grüße Martin Albrecht
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Atlantica, 26. September 2016, 8:49 Uhr


Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken. Alles, was nicht in Raffgier oder Egoismus gemeinsam genossen wird, ist gut; dazu gehören vor allem Essen und Trinken, denn ohne das kann man nicht leben. Dass das Reich Gottes nicht Essen und Trinken sei, muss man also dialektisch sehen. Ich bin kein Freund von Interpretation, doch hier ist sie nötig, weil manche Leute die Andacht nicht verstehen und beherzigen. Saturierte Gesellschaft! Wo leben wir denn?
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Alwite, 26. September 2016, 10:52 Uhr


Geben wir uns doch inneren Frieden.
Der innere Frieden wird uns zuteil durch Beschäftigung
mit heilsamen Lebensregeln, durch Verwirklichung
guter Taten und durch einen festen Willen,
dessen Streben einzig auf das sittlich Gute gerichtet ist.
Das Gewissen sei die Richtschnur unseres Handelns,
das Gerede der Leute soll uns gleichgültig sein.
Marcus Annaeus Seneca

Nach dem Lesen beider Kommentare. kann ich mich den Worten (alles was existiert wurde schon enmal gedacht) Senecas nur anschließen.
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Atlantica, 26. September 2016, 17:23 Uhr


Finde ich sehr nett, dass du mich auf eine Stufe mit diesem Geschreibsel stellst. Oder täusche ich mich da, werte Alwite?
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Alwite, 27. September 2016, 6:42 Uhr


Lieber Atlantica, mit beider Kommentare meinte ich den Gegensatz, der aus ihnen spricht. Das " Geschreibsel" Senecas sollte keine Belehrung an Dich sein, vielmehr erklärt es mir, wie innerer Friede durch einfaches Tun geht. Aus der Predigt lese ich, dass ein Tischgespräch die Möglichkeit der Festigung einer (unserer) Gemeinschaft anbietet.
Zu Martin Albrecht fällt mir noch etwas lange vor mir gedacht Gültiges ein:
" Wenn der Alltag dir arm erscheint, klage ihn nicht an - klage dich an, dass du nicht stark genug bist, seine Reichtümer zu rufen, denn für den Schaffenden gibt es keine Armut und keinen armen gleichgültigen Ort."
Rainer Maria Rilke
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Atlantica, 27. September 2016, 9:13 Uhr


???

Alwite!

Glaubst du ernsthaft, dass ich Seneca als Geschreibsel bezeichne? Damit meinte ich Martin Albrecht. Und dass du ihn mit mir vergleichst, ärgert mich. Man braucht wohl nur zu schreiben "das ist Unsinn", um ernstgenommen zu werden.
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Alwite, 27. September 2016, 10:12 Uhr


???
Atlantica, dass Du Dich persönlich angesprochen fühlst, tut mir leid.
Bitte verzeih, meine Aufmerksamkeit galt ausschließlich dem Unterschied der Kommentare.
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Atlantica, 27. September 2016, 10:41 Uhr


Es ist zum Verzweifeln! Schoenen Tag...
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