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Micky Maus für 75 Pfennige

epd | 29. August 2016

Der Start war holprig: Als das erste Micky-Maus-Heft in Deutschland heute vor 65 Jahren erschien, verkaufte sich nicht einmal die Hälfte. Dann wurde es die beliebteste Kinderzeitschrift Deutschlands - inzwischen hat es aber zu kämpfen.

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Micky-Maus-Hefte aus verschiedenen Jahren Foto: epd

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Frankfurt a.M. (epd). Es war gewissermaßen die "Geburtsstunde Entenhausens": Am 29. August 1951 kam das erste Micky-Maus-Heft in deutscher Sprache in die Kioske. Von den rund 300.000 Exemplaren der anspruchsvoll gestalteten deutschen Erstausgabe wurde allerdings nicht mal die Hälfte verkauft. Der Rest ging als kostenlose Werbeexemplare an Schulen oder in den Reißwolf. Dann aber entwickelte das Heft sich schnell zur beliebtesten Kinderzeitschrift in Deutschland.

Bekannte Figuren von Anfang an dabei

75 Pfennige kostete "Micky Maus - Das bunte Monatsheft" rund sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Gedruckt war es im für damalige Verhältnisse einzigartigen Vierfarb-Kupfertiefdruck bei W. Girardet in Essen. Wer heute noch ein Heft der Erstausgabe besitzt, erhält dafür von Sammlern - je nach Zustand - 6.000 Euro und mehr. Am Kiosk kostet das aktuelle "Micky Maus Magazin" 3,50 Euro. 

Schon im ersten 32seitigen Heft tauchen neben Micky auch Donald Duck, dessen Vetter Gustav, Tollpatsch Goofy, Donalds Augenstern Daisy, der treue Hund Pluto und Donalds drei Neffen auf. Die hießen allerdings damals nicht Tick, Trick und Track, sondern Rip, Rap und Rup. Die Übersetzungen der Comics aus der Disney-Produktion stammten bis 1988 von Erika Fuchs (1906-2005), die bis dahin Chefredakteurin der Micky Maus war.

In den meisten anderen europäischen Ländern war Donald die Titelfigur der Disney-Hefte. In Deutschland jedoch war Micky im Jahr 1951 wesentlich bekannter. Der Grund: Die ersten Micky-Maus-Filme wurden schon 1930 in Deutschland gezeigt - 1928 hatte Disneys Micky Maus in dem Tonfilm "Steamboat Willie" das Licht der Comic-Welt erblickt. Donald kam in einer Nebenrolle 1934 im Zeichentrickfilm "Die kluge kleine Henne" das erste Mal vor, 1935 aber stoppte Walt Disney den Export seiner Trickfilme nach Nazi-Deutschland.

Comics umstritten

Am Anfang waren die Micky-Maus-Comics in Deutschland nicht unumstritten. Im Land der Dichter und Denker sahen nicht wenige Kritiker in Comics "Schundhefte" und fürchteten einen Verfall der deutschen Sprache. Andere warnten vor Analphabetentum im Zusammenhang mit dem Konsum der bunten Bilder-Geschichten und wollten deren Erscheinen sogar gerichtlich verbieten lassen. 

Das alles hat das Micky-Maus-Magazin überlebt. Der Kunstdidaktiker Dietrich Grünewald von der Universität Koblenz schätzt an den Comics aus Entenhausen, dass kleine Leser am Vorbild von Micky und seinen Freunden "Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein lernen". Und sie würden erfahren, dass man als Kind "nicht alles immer hinnehmen muss". 

Seit 1957 erschien das Micky-Maus-Magazin wöchentlich, seit einigen Jahren gibt es 41 Ausgaben pro Jahr, die jeweils freitags an den Kiosken zu haben sind. 1991 noch lag die Druckauflage des Heftes bei über einer Million Exemplaren, verkauft wurden davon rund 650.000 Stück. 

Gedruckte Geschichten weiter gefragt

Das ist lange her, die Generation Youtube liest weniger Zeitschriften. Nach Angaben des Verlags werden aktuell pro Heft nur noch 85.000 Exemplare verkauft. Erreicht würden wöchentlich etwa 576.000 Kinder pro Heft, hieß es unter Bezug auf die Kids-Verbraucheranalyse des Verlags von 2015. Bei Zeitschriften für Sechs- bis 13-Jährige liegt demnach das Micky-Maus-Magazin noch immer vorn. 

Auch Gerhard Severin vom Erika Fuchs Museum im oberfränkischen Schwarzenbach merkt, dass sich das Medienverhalten der Kinder und Jugendlichen verändert hat: "Fest steht, dass bei Führungen von Schulklassen auf die Frage nach dem Umgang mit Comics nur wenige Schüler dazu noch einen Zugang haben", sagt er. 

Auf der anderen Seite, beobachtet Severin, "sitzen dann aber alle Schüler in der Bibliothek und sind vertieft gerade in die Comics über Entenhausen". Für ihn ist klar, dass die gedruckten Geschichten der Einwohner Entenhausens "trotz Internet und Playstation weiterleben und weitergelesen" werden: "Dieser Ort fasziniert immer noch alle Generationen".

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Leser-Kommentare öffnen

Atlantica, 29. August 2016, 10:18 Uhr


Ja, die Mickey Mouse Comics. Die Comics kommen aus den USA, wie ein Großteil der Kultur seit den 50er Jahren. Hier hat Grönemeyer wieder recht, wenn er singt: Amerika, du hast viel für uns getan, Amerika, tu uns das nicht an. Die Amerikanisierung unserer Lebenswelt scheint heute noch stärker zu sein. Was die Comics betrifft: sie sind erstens kommerziell und zweitens verdeutscht. Viele sprachliche Eigenheiten wirken aber nur im Original. Das Land der Dichter und Denker tut gut daran, sich einer reinen Disney-Kultur zu versperren. Natürlich ist mir klar, dass ich jetzt den Ruf eines Spielverderbers angenommen habe. Aber mir ist es wirklich wichtig, dass nicht nur kommerzielle Interessen regieren.
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