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Foto: Julia Pippa
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Franziska Eberhardt (rechts) und ich ;) Foto: Sonja Koczy

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Steh auf und verändere die Welt

Weltjugendtag

Von Julia Pippa | 10. August 2016

Millionen pilgern zum Papst nach Krakau. UK-Auszubildende Julia Pippa war dabei und hat sich umgesehen

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Franziska Eberhardt (rechts) und ich ;) Foto: Sonja Koczy

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Mein Kanu wackelt vor sich hin, hinter mir höre ich langsam ein Paddel ins Wasser gleiten, und vereinzelt treffen mich warme Sonnenstrahlen, die es geschafft haben, die dichten Baumkronen zu durchbrechen. In diesem Moment der Idylle bin ich sogar ein bisschen traurig, dass unsere Kanutour in Polens Wildnis fast vorbei ist, die ich mit der Gruppe vom YOU!Magazin (dort hatte ich ein freiwilliges Jahr absolviert, bevor ich mit meiner Ausbildung bei UK gestartet bin) zur Vorbereitung für den WJT gemacht habe. Hinter uns liegen Tage mit Brot backen, Philosophieren am Lagerfeuer und regelmäßiges ausleeren von Wasser in vollgelaufenen Kanus. Aber mein absolutes Highlight auf der Kanutour, neben der einzigartigen Landschaft, waren die Gottesdienste und Messen auf den Campingplätzen, irgendwo im nirgendwo. So wie sie auch der frühere Papst Johannes Paul II. feierte, der auf demselben Fluss wie wir als junger Theologieprofessor damals mit seinen Studenten im Kanu fuhr.

Ihr könnt euch aber nicht vorstellen, wie froh ich war, als wir am Mittwochabend bei unseren Gastfamilien ankamen und endlich wieder eine Dusche und ein Bett hatten. Das ist nach so einem Trip wirklich etwas Wunderbares!

Am Donnerstag ging es für uns dann in den Weltjugendtags-Trubel. Das heißt schon morgens in einen überfüllten Bus einsteigen in dem Lobpreislieder gesungen werden und wo die Freude und Lebendigkeit des Weltjugendtages wirklich spürbar war. In dieser Atmosphäre ging es für uns zur Papst-Gedenkstätte für Johannes Paul II., dem „Heiligtum“ in Krakau. Dort trafen wir tausende andere Pilger. Der ganze Platz war übersät mit bunten Fahnen und Menschen, aus allen Kontinenten der Welt. Sogar chinesische Christen habe ich dort getroffen, was mich sehr beeindruckt hat.

Begleitet von Liedern in allen möglichen Sprachen, bahnten wir uns langsam den Weg zu dem Park vor, in dem die Begrüßungsfeier stattfand. Inklusive kaputte Straßenbahn, Regenschauer und Menschengedrängel. Als wir in unserem Sektor ankamen war die Begrüßungsfeier schon im vollem Gange und Papst Franziskus, der noch kurz zuvor mit der Straßenbahn an uns vorbei rauschte, begrüßte uns und die anderen Tausendmenschen. In seiner Ansprache beeindruckte mich, dass er uns fragte ob wir das Leben in Fülle haben wollen. Und willst du das Leben in Fülle haben? Ich auf jeden Fall;) Franziskus sprach uns zu, dass es nicht schlimm ist, wenn wir schwach sind und zu Boden fallen. Wir dürfen nur nicht am Boden liegen bleiben und wir müssen den Mut haben immer und immer wieder aufzustehen, nicht einmal, nicht zweimal sondern 77 Mal, am Tag ;)

Nachdem wir ausgelassen auf dem Platz getanzt haben, überraschte es mich in der Innenstadt Krakaus unter dem ganzen Gewusel der WJT Teilnehmer, auf einmal in eine Eucharistische Anbetung zu kommen, mitten in der Stadt. Da wurde mir klar, dass Gott in diesen Tagen überall sehr präsent war, ob in den Gesprächen unter den Menschen oder bei der Eucharistischen Anbetung mitten in der Stadt!

Mein persönliches Highlight am Freitag war der Kreuzweg auf dem Feld. Jede der einzelnen Stationen brachte einen wirklich zum Nachdenken, über die Welt und einen selber. So wurde in dem Kreuzweg darauf Aufmerksam gemacht, dass Jesus in jedem Flüchtling lebt und das 1/3 der produzierten Lebensmittel weggeschmissen werden, jedoch alle 6 Sekunden ein Kind vor Hunger stirbt.

Natürlich hat es sich Papst Franziskus nicht nehmen lassen, auch ein paar Worte an uns zu richten und ein Satz aus seiner Ansprache hat mich zum Staunen gebracht, denn ich euch nicht vorenthalten möchte: „Wenn jemand sich Christ nennt, aber nicht lebt, um zu DIENEN, dann verleugnet er Jesus Christus.“

Nach dem Kreuzweg genossen wir die Freude die überall auf dem Platz herrschte. Wir sangen und tanzten mit Menschen aus der der ganzen Welt.

Am Samstag dachten wir uns, wir sind ganz schlau, stehen früh auf(wie leider noch tausend andere), damit wir am Vormittag in unserem Sektor sind, um gute Schlafplätze zu bekommen. Deshalb waren wir schon um 9 Uhr in Krakau aber erst um 15 Uhr an unserem Platz, weil wir über 25 km gegangen sind. Ich war um einen Sonnenbrand reicher aber überglücklich das wir unser Ziel endlich erreicht hatten.

Dieser Pilgerweg, welchen wir an dem Tag zurücklegten, zahlte sich jedoch mit dem Kerzenschein der Vigilfeier vollkommen aus. Denn es war einfach unbeschreiblich, wo fast eine Millionen Menschen der Aufforderung des Papstes gefolgt sind und für ein paar Minuten zur Stille kamen. An diesem Abend forderte der Papst uns auch auf, nicht auf der Couch unser Leben zu verbringen, von da aus kann man nämlich nicht seine Träume verwirklichen und die Welt verändern! 

Als ich die Nacht unter dem freien Himmel verbrachte, wurde ich Sonntagmorgen auf dem Feld von den Lautsprechern geweckt, die mir verrieten, dass ich noch etwas Zeit hatte, bevor die Abschlussmesse anfing. Nach und nach wurde es aber auf dem Feld unerträglich heiß und man wurde von der Sonne gegrillt. Zum Glück fuhr der Papst, dann schon mit seinem Papamobiel an uns vorbei, welches der Startschuss für die Abschlussmesse mit etwa zwei Millionen Menschen (die genaue Zahl weiß man leider nicht, die Medien berichten von 1,7 Millionen bis 2,5 Millionen Menschen) war. In der uns Papst Franziskus dazu ermutigte, an eine neue Menschheit zu glauben, ohne Hass! Auch wenn uns die Menschen dafür als Träumer beurteilen.

Und so ging der Weltjugendtag mit einem erfrischenden Regenschauer zu Ende. So extrem das Wetter war, war auch der WJT für mich. Körperlich war es eine unglaublich kräftezehrende Herausforderung, die mir dafür aber neue Begeisterung, Kraft und Mut für meinen Glauben (auch wieder im normalen Alltag) gab!

Eure Auszubildende Julia, aus dem Evangelischem Medienhaus Bielefeld ;)

Julia Pippa, 20, absolviert zur Zeit eine Ausbildung zur Medienkauffrau Digital und Print beim Evangelischen Presseverband für Westfalen und Lippe, in dem auch „UK – Die Zeitung mit der Guten Nachricht“ erscheint.

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