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Über Jahrtausende gewachsen: Beeindruckende Tropfstein-Formationen in der Bielsteinhöhle. Fotos: Annemarie Heibrock
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„Gipfelkreuz“ auf einem der Felsen im Bielsteintal, gestiftet vom Kolpingverein.
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Die „Alte Jugendherberge“ mit dem Besucherzentrum.

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Unterirdische Zauberwelt

Mein Lieblingsziel (III)

Aus der Printausgabe - UK 31 / 2016

Annemarie Heibrock | 2. August 2016

Höhlen erzählen von der Geschichte der Erde und der Menschheit. Etwa die Bilsteinhöhle in Warstein. Hier kann man was lernen – und die Phantasie sprießen lassen

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Über Jahrtausende gewachsen: Beeindruckende Tropfstein-Formationen in der Bielsteinhöhle. Fotos: Annemarie Heibrock
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„Gipfelkreuz“ auf einem der Felsen im Bielsteintal, gestiftet vom Kolpingverein.
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Die „Alte Jugendherberge“ mit dem Besucherzentrum.

Tief unten in der Erde, dort, wo kein Sonnenstrahl ankommt, da gedeiht die Phantasie. Dort in der Dunkelheit der Tropfsteinhöhlen wachsen nicht nur Stalakmiten und Stalaktiten, hier wachsen Geschichten und Mythen: über Elfen, Zwerge, Berggeister und manch andere geheimnisvolle Wesen. In dieser unterirdischen Welt, die die wundersamsten Formen und Farben hervorbringt, verspüren offenbar auch die aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts – trotz all ihres Wissens über Erdgeschichte, Geologie und Geographie – den gleichen Schauer, der auch ihre Vorfahren vor Tausenden von Jahren erfasst haben mag.
Das dürfte der Grund dafür sein, warum Höhlen auch im 21. Jahrhundert zu den beliebten Ausflugszielen zählen. Und zwar überall auf der Welt.
Westfalen und Lipper haben es in dieser Hinsicht gut. Sie müssen nicht sehr weit reisen, um unterirdische Zauberwelten zu entdecken: Im Sauerland – also quasi vor der Haustür – gibt es jede Menge davon: Die Dechenhöhle in Iserlohn etwa oder die Heinrichshöhle in Hemer, die Balver und die Reckenhöhle in Balve und schließlich die Bilsteinhöhle im östlichen Sauerland bei Warstein, die zusammen mit dem Wildpark ein wunderbares Ziel für Tagesausflüge bietet.
An diesem Donnerstag im Juli führt Kai Menke eine Gruppe von Kindergartenkindern durch die Bilsteinhöhle und liefert genau die Geschichten, die die Mädchen und Jungen erschauern lassen: von Löwen und Bären, die hier gelebt haben, von Maria und Josef und den sieben Zwergen, von dem ersten Höhlenführer, der sich in der Höhle festgebissen und dabei sein Gebiss an den Fels verloren hat und nicht zuletzt die von der Elefantendame, die ihre Ohren abgelegt und an anderer Stelle aufgehängt hat, um die unglaublichen Geschichten des Höhlenführers nicht länger ertragen zu müssen...
Echte Räuberpistolen haben sich Leute von der Bielsteinhöhle da ausgedacht, damit sich bei den Gästen das richtige Gänsehautgefühl einstellt. Bei den Fünf- und Sechsjährigen jedenfalls funktioniert‘s.
Alles aber, was man ihnen da auftischt, glauben die kleinen Besucherinnen und Besucher dann doch nicht: Die Sache mit den Zähnen im Fels kommt ihnen irgendwie komisch vor. Ganz begeistert sind sie allerdings, als Kai Menke erzählt, dass es 3000 bis 3500 Jahre dauern wird, bis ein Stalakmit und ein Stalaktit in der Höhle zusammenwachsen. „Das ist ja nicht mehr lange!“, ruft ein Junge.
Erwachsene dürften das anders sehen. Bei solchen Zeitdimensionen – da weht einen schon ein Hauch von Ewigkeit an. Ob es das ist, was bei dem katholischen Theologen Stefan Enste die Leidenschaft für die Bilsteinhöhle entfacht hat? Jedenfalls ist die Höhle für ihn der „tollste Platz weit und breit“.
Enste ist heute Geschäftsführer des Vereins „Bilsteintal e. V.“. Hintergrund der Vereinsgründung war der Plan der Stadt Warstein, die dortige „Alte Jugendherberge“ abzureißen. Das konnte Enste, gebürtiger Warsteiner und schon seit seiner Jugend großer Liebhaber des Bilsteintals, nicht ertragen. Er fand Gleichgesinnte und in letzter Minute – das Abbruchkommando war schon unterwegs – konnte der Abriss verhindert werden.
Enste und seine Leute wollten aber die Jugendherberge nicht isoliert betrachten. Weil die Besucherzahlen der Höhle seit Jahren zurückgegangen waren, entstand die Idee, das Bilsteintal insgesamt – also mit Wildpark und Höhle – touristisch wieder flott zu machen.
Im Jahr 2011 wurde dann der Verein „Bilsteintal e. V.“ gegründet und schon bald stellten sich die ersten Erfolge der Arbeit ein. Vor  allem: Kamen vorher jährlich etwa 26 000 Besucherinnen und Besucher zur Höhle, sind es heute 50 Prozent mehr, etwa 39 000. Sie alle finanzieren mit ihren Eintrittsgeldern den Wildpark mit.
Kürzlich konnte auch die Höhle in all ihren Teilen neu vermessen werden, so dass jetzt kein weißer Fleck mehr auf der Karte zu finden ist. Bereits bei der Entdeckung der Höhle im Jahr 1887 durch den Waldarbeiter Franz Kersting hatte man dort Funde geborgen, die belegen, dass die Höhle nicht nur Tieren, sondern auch Menschen Obdach bot.
Über all dies können sich die Besucherinnen und Besucher bei den Höhlenführungen schlau machen lassen. Neben der „Standard-führung“ gibt es auch die Führung „Höhle-Plus“ mit noch viel mehr Informationen zur Geschichte dieser unterirdischen Welt.
Und wenn man dann nach etwa einer Stunde wieder das Tageslicht erblickt, lädt der fast 24 Hektar große Wildpark ein, bei einem in dem weitläufigen Gelände herrlich entspannenden Spaziergang   die heimische Tierwelt kennenzulernen: zum Beispiel Rot- und Sikahirsche, Wildschweine, Füchse und Luchse.  

Bilsteintal – Tropfsteinhöhle, Wildpark und Alte Jugendherberge: Im Bodmen 54, 59581 Warstein. Telefon (0 29 02) 27 31; mobil (01 51) 54 66 70 69; E-Mail: info@bilsteintal.de. Weitere Informationen, zum Beispiel über die verschiedenen touristischen Angebote, unter: www.bilsteintal.de.

Die UK-Sommerserie mit Ausflugs­tipps in Westfalen und Lippe steht diesmal unter dem Motto „Mein Lieblingsziel“. Die dritte Folge führt nach Warstein ins Bielsteintal. Weitere Tipps folgen in den nächsten UK-Ausgaben.

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Leser-Kommentare öffnen

Schallblech, 2. August 2016, 14:49 Uhr


Als unsere Kinder klein waren und wir noch in Meschede wohnten, haben wir auch manchen Sonntagnachmittag dort verbracht. Es war vor 25 Jahren schon schön, jetzt mit dem renovierten Gebäude hat das Tal bestimmt noch gewonnen.
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Wieland, 2. August 2016, 15:35 Uhr


Wirklich sehr zu empfehlen. Waren schon mehrmals dort.
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