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Foto: Lippische Landeskirche

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Einfach mal wütend sein

Jugendarbeit

Aus der Printausgabe - UK 24 / 2016

Eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und sie durchzusetzen, ist für Mädchen nach wie vor nicht immer leicht. In einem Kurs der Lippischen Landeskirche üben sie, für sich einzustehen

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Foto: Lippische Landeskirche

Der Selbstbehauptungskurs für Mädchen ist ein Renner in der Lippischen Landeskirche. In den kommenden Herbstferien wird er bereits zum vierten Mal angeboten. Miriam Hähnel vom Jugendreferat der Landeskirche erklärt im Gespräch mit Anke von Legat, was Kirche und Selbstverteidigung miteinander zu tun haben.

Selbstbehauptung für Mädchen – was kann man sich darunter vorstellen?
Vor allem geht es darum, das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken. Wir sprechen über Gefühle und darüber, wie wir sie ausdrücken – mit Worten, mit der Stimme, auch mit dem Körper. Bin ich wirklich klar im Ausdruck oder lache ich beispielsweise, wenn ich eigentlich Angst habe. Mädchen und auch Frauen sind leider oft nicht klar im Ausdruck. Wer selbstbewusst auftritt, wird weniger leicht Opfer von Gewalt. Das gilt es zu stärken.

• Warum machen Sie dieses Angebot gerade im Raum der Kirche?
Wir haben in unseren Kreisen in der kirchlichen Jugendarbeit viele Mädchen. Diese und neue Mädchen wollen wir erreichen, was uns mit dem Konzept gut gelingt. Angebote für jüngere Mädchen gibt es von anderen Trägern meistens nicht, also füllen wir da eine Lücke. Dazu kommt: Man traut Kirche zu, dass sie einen geschützten Rahmen schaffen kann, in dem Menschen sich öffnen können. Dieses Vertrauen spüren wir auch bei den Mädchen in unseren Kursen. Die Rückmeldungen der Eltern waren sehr positiv.
Mit dem Angebot signalisieren wir außerdem: Als Kirche gehen wir das Problem der sexualisierten Gewalt aktiv an. Wir schauen nicht weg und verschließen uns nicht. Uns ist es wichtig, präventiv, also vorbeugend zu arbeiten.

 Wie läuft so ein Kurs ab?
Wochenkurse haben sich bewährt. Da haben die Mädchen Zeit, miteinander vertraut zu werden und können sich öffnen. Sie üben ein, ihre Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und ernst zu nehmen: Wie nah darf mir jemand kommen, bis es unangenehm wird? Wenn ich Stopp sage – lache ich dabei, weil ich unsicher bin? Auch Gefühle wie Aggressionen und Wut haben ihren Platz.
Leider machen Mädchen nach wie vor die Erfahrung, dass diese Gefühle sich für Mädchen nicht gehören. Bei Jungen ist das anders. Es wird eher akzeptiert, dass sie sich auch mal prügeln, während Mädchen die Wut kaum bearbeiten, sie neigen vielfach dazu, runterzuschlucken und so die Aggressionen gegen sich selbst zu richten. Wir suchen nach konstruktiven Möglichkeiten, mit diesen Gefühlen umzugehen. Dabei ist uns wichtig: Nichts ist falsch. Jede fühlt und denkt anders.

• Gibt es auch ganz praktische Übungen?
Ein Punkt ist die Sprache. Wir üben, laut und bestimmt zu sein. „Das will ich nicht“ zu sagen – gar nicht so einfach. Wir reden auch über Dinge, die unangenehm sein können; Körperteile, auch intime, werden benannt. Es ist wichtig, dafür eine Sprache zu haben und zu spüren, wo ich auf gar keinen Fall angefasst werden möchte. Dann probieren wir den aufrechten, selbstbewussten Gang in einer Fußgängerzone. Die Mädchen gehen los mit einem klaren Ziel vor Augen und merken dabei, dass andere Leute ihnen den Weg frei machen. Das ist eine gute Erfahrung.
Die Mädchen lernen auch Befreiungsgriffe, mit denen sie sich beispielsweise aus einer Umklammerung befreien können. Diese üben wir zunächst mit Frauen, dann mit einem Mann als Gegner. Die sollen aber geheim bleiben, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Der nächste Kurs „Mädchen lernen, sich zu wehren“ findet in der zweiten Woche der Herbstferien vom 18. bis 21. Oktober in der evangelischen Kirchengemeinde Istrup statt. Anmeldung unter bildung@lippische-landeskirche.de. Fragen beantwortet Miriam Hähnel unter miriam.haehnel@lippische-landeskirche.de oder Telefon (0 52 31) 97 67 39.

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