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Devid Striesow als Martin Luther und Karoline Schuch als Katharina von Bora posieren am Set des Fernsehfilms „Katharina Luther“ (Arbeitstitel) auf Schloss Reinhardsbrunn. Fotos: epd
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Schloss Reinhardsbrunn im thüringischen Friedrichroda ist Drehort des Fernsehfilms über Katharina Luther.

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Dreharbeiten für eine besondere Frau

Katharina von Bora

Dirk Löhr

Zum 500. Reformationsjubiläum 2017 geht es um mehr als Luther. In einem Spielfilm will das Erste die Reformation aus den Augen einer Frau, Luthers Frau Katharina, zeigen. Jetzt gab es einen ersten Blick hinter die Kulissen

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Devid Striesow als Martin Luther und Karoline Schuch als Katharina von Bora posieren am Set des Fernsehfilms „Katharina Luther“ (Arbeitstitel) auf Schloss Reinhardsbrunn. Fotos: epd
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Schloss Reinhardsbrunn im thüringischen Friedrichroda ist Drehort des Fernsehfilms über Katharina Luther.

Hollywood im Thüringer Wald: Im Schloss Reinhardsbrunn bei Gotha ist das Set für „Katharina Luther“ aufgebaut. Im kommenden Frühjahr, passend zum 500. Reformationsjubiläum, soll der Film im Ersten laufen. Der Titel steht noch nicht endgültig fest. Doch klar ist, in dem Film geht es um die Reformation gesehen aus den Augen einer Frau. Im Mittelpunkt steht Luthers Frau, Katharina von Bora (1499-1552).

Eigene Gesetzmäßigkeiten beim Film

Das Team hat erste Szenen zusammengeschnitten. Aber das, so der freundliche Hinweis, ist noch nicht das Endergebnis. „Es ist ein Eindruck für den Moment“, erklärt Mario Krebs im Schloss Reinhardsbrunn. Der Mann von Eikon Süd spricht für das Produzententeam. Die Liste der Verantwortlichen ist lang, wie es bei einer Produktion dieser Größe nun einmal ist. 40 Drehtage sind vorgesehen. Da kommen schon ein paar Millionen Euro an Produktionskosten zusammen.
Der Film hat seine eigenen Gesetze. Das ist in Reinhardsbrunn gut zu sehen: Das Schloss hat sich verändert. Vor die Fassade ist einfach eine neue gestellt worden. Sie sieht solide aus, und ist dennoch aus Pappe. Gerade verbläst ein Techniker weiße Flocken über die Fenstersimse. Auf dem Bildschirm sieht das aus wie echter Schnee.
Das Schloss ist ein Glücksfall für die Filmcrew. Einst ein Interhotel, steht es inzwischen völlig entkernt hinter Bäumen versteckt. Im leeren Erdgeschoss haben sich die Szenenbildner ausgetobt. Eine Küche ist dort entstanden, ein Refektorium, und das Arbeitszimmer von Katharina von Bora. Da sitzt sie gemeinsam mit ihrem Mann Martin Luther und lächelt in die vielen Kameras. Ob sie sich nicht einmal anschauen könnten, fragt ein Fotograf. Nein, sagt Luther freundlich aber bestimmt, das wäre dann ein anderer Film.
Luther ist Devid Striesow. Oder umgekehrt. Seine Frau Katharina wird von Karoline Schuch gespielt. Die beiden passen zueinander. Gerade waren sie zusammen in Hape Kerkelings Bestseller-Verfilmung „Ich bin dann mal weg“ zu sehen. Jetzt drehen sie einen Geschichtsfilm. Hinten, an der Wand, hängt ein Bild des Paares. Es ähnelt der historischen Vorlage, trägt aber ihre Züge.
So ist das beim Film. Wirklichkeit und Phantasie gehen Hand in Hand. Um die gröbsten historischen Schnitzer zu vermeiden, haben die Filmleute Martin Treu als Berater engagiert. Der Geschäftsführer der Luther-Gesellschaft hat lange im Wittenberger Lutherhaus gearbeitet – das Haus, in dem die Luthers zusammen lebten. Jetzt kann er in Reinhardsbrunn sehen, wie das Schwarze Kloster in Wittenberg vor 500 Jahren ausschaute.
Er ist zufrieden. Alles ist am Platz: Die Pforte, die Katharina mitten in die Hausfront setzen ließ, und das Stroh auf dem Dach. „Alles was wir über sie wissen, wissen wir über Luther“, fasst er kurz zusammen. Was vor ihrem Treffen mit dem Reformator passierte, verliert sich im historischen Dunkel. Erst mit ihrer Flucht aus dem Kloster und der Begegnung der zwei bekommt Katharina von Bora ihren Platz in der Geschichte.
„Dass nach 500 Jahren überhaupt noch der Name einer Frau bekannt ist, hat Seltenheitswert“, sagt Regisseurin Julia von Heinz. Für sie ist der Film auch „ein feministisches Statement“. Sie will an eine Frau erinnern, die mit ihrem Mann auf Augenhöhe verkehrte. Ein Unding eigentlich für die erste Hälfte des 16. Jahrhundert. Es kommen schon einige Themen zusammen, schaut man sich das gemeinsame Leben der beiden an. Von niederem Adel sie, jung schon in ein Kloster gegeben, er lange Zeit ein Mönch. Von körperlicher Liebe wussten beide bis zu ihrer Heirat praktisch nichts. Und doch fanden sie zusammen.
Die kurze Szene, die am Anfang der Setvisite zu besichtigen ist, macht das deutlich. Gerade ist den beiden die Tochter gestorben. Die Frau beschwört ihren Mann: „Martin, wir waren stark genug, nach dem ganzen Leben zu greifen – jetzt müssen wir auch stark genug sein, es zu halten. Lass es nicht los!“ Eine starke Frau, diese Katharina, ganz gewiss. So soll sie im Film gezeigt werden, versprechen Regisseurin und Produzent; selbstbewusst und ihr Leben selbst bestimmend. So ist „Katharina Luther“ – so der Film denn so heißen mag – ein Film über sie und Martin Luther, aber kein Lutherfilm. Es gibt davon schon genug, diese schwingenden Hämmer und dieses: hier stehen und nicht anders können, macht sich Mario Krebs dezent lustig. Nein, dieser Film erzählt die ganze Geschichte aus der Sicht einer Frau. Seiner Frau.

Die Reformationsgeschichte aus der Sicht einer Frau

Den Beweis dafür liefert Julia von Heinz. Obwohl Martin und Katharina die Hauptfiguren sind, sieht das Drehbuch viel mehr Zeit für Katharina vor. Der Produzent hilft sich mit einer Anekdote. Auf Visitation schreibt Luther von auswärts zwei Briefe: An seinen Freund Melanchthon, den er um frische Strümpfe bittet. Und an Katharina, um theologisch mit ihr zu disputieren.
So ist es gewesen, bestätigt Lutherkenner Treu. Zumindest fast. Es ging damals um einen Ätzstein, nicht um Socken. Aber ehe erklärt ist, wozu ein Ätzstein diente („um Wunden offen zu halten, damit schlechte Körpersäfte besser abfließen können“), kommen halt die Strümpfe zu ihrem Recht.

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