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Respekt

Gauck

Aus der Printausgabe - UK 24 / 2016

12. Juni 2016

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Gauck geht. Und man spürt in der Öffentlichkeit vorsichtige Erleichterung. Das ist aufschlussreich. Denn vorwerfen kann man dem Mann, der seit vier Jahren das Amt des Bundespräsidenten ausfüllt, eigentlich nichts. Der 76-Jährige ist über Parteigrenzen respektiert. So sehr, dass er vor vier Jahren trotz des erklärten Widerstandes der mächtigen Kanzlerin gewählt wurde. Gauck ließ sich parteipolitisch schwer verorten, er hatte für jeden etwas: Er war ein bisschen links, oft liberal, aber in vielem auch ordentlich konservativ.

Und er eckte dabei auch noch genügend an, um nicht als opportunistisch zu gelten. So etwa bei seiner Forderung, Deutschland müsse seine Weltverantwortung notfalls auch mit Militär wahrnehmen – eine Position, über die die evangelische Kirche zu Recht nicht glücklich war bei ihrem ehemaligen Pastor.
Letztlich hat Gauck offenbar niemanden wirklich begeistert, aber er hat seine Aufgabe respektabel gelöst. Hoffentlich kann man das einst auch von seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin sagen.

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Leser-Kommentare öffnen

Paperback, 18. Juli 2016, 21:24 Uhr


Aber, aber, Herr Hoeffchen,

noch ist Herr Gauck Bundespräsident, und so finde ich es eigentlich zu früh, seine Amtszeit zu würdigen.
Ich habe ihm seiner Zeit bei der Wahl die Daumen gedrückt. Später dann fiel mir auf, dass er, der Ostdeutsche, vieles zu sehr aus der Perspektive des Ostens sah, sich so sehr über die errungene Freiheit freute, dass er dieser Freude vieles unterordnete.
Die wachsende Ungleichheit der Menschen, die besitzen und jenen, denen immer weniger bleibt, geriet ihm dabei aus den Augen, wie mir scheint.
In anderer Hinsicht hat er gleichwohl Maßstäbe gesetzt. Ein Bundespräsident, der nicht geschieden ist und der dennoch mit einer anderen Partnerin zusammenlebt, das war in der Tat neu.
Insofern bildet er auch darin die Lebenswirklichkeit vieler Landsleute ab. Aber wie gesagt: Zum Abgesang auf den Pfarrer a. D. ist es wohl noch etwas zu früh, und vielleicht überrascht er uns noch mit einem unerwarteten Schluss-Punkt.

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Hoeffchen, 19. Juli 2016, 12:39 Uhr


Sie haben Recht, Paperback. Der Kommentar entstand, als Gauck im Juni seine lange und mit Spannung erwartete Erklärung abgab, ob er für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen würde. Seine Botschaft: Nein, er trete nicht erneut an.
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