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Werden immer wichtiger: Spendenbriefe. Deshalb machen Veränderungen bei der Post Hilfsorganisationen Sorge. Foto: Andrey Popov

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Das Post-Trauma

Hilfsorganisationen

Dirk Baas

Steigende Portokosten und Steuern – Veränderungen bei der Post machen Spendensammlern zu schaffen. Hilfsorganisationen hoffen auf Entgegenkommen der Bundesregierung

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Werden immer wichtiger: Spendenbriefe. Deshalb machen Veränderungen bei der Post Hilfsorganisationen Sorge. Foto: Andrey Popov

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Hartmut Kopf, Beisitzer im Vorstand des Deutschen Spendenrates, bringt das Problem auf den Punkt: „Jede Porto-Erhöhung schmälert den Ertrag des Spendensammlers.“ Denn, so der für World Vision tätige Experte: Auch in multimedialen Zeiten „ist das klassische Briefmailing nicht tot“. Davon will auch die Deutsche Post AG profitieren – und hat ein neues Produkt auf den Markt gebracht. Doch die Spendenbranche zeigt sich skeptisch.

Problem vor allem für kleinere Organisationen

Die frühere „Infopost“, die die sozialen Vereine, Stiftungen und Hilfsorganisationen für ihre Werbesendungen in hoher Stückzahl nutzten, ist Vergangenheit. Seit Jahresbeginn gibt es als Nachfolgeprodukt die „Dialogpost“, zumindest für Altkunden. Zwar bleibt der Standardpreis von 28 Cent je Massensendung erhalten, doch Experten beklagen weniger gute Leistungen, etwa, weil die Dialogpost nur noch Dienstag bis Freitag ausgeliefert werden soll.
Kritisch gesehen wird auch, dass die Mindestmenge von 4000 Briefen bestehen bleibt, die bundesweit verschickt werden müssen, um als kostengünstige Dialogpost durchzugehen – eine Vorgabe, die viele kleinere Anbieter nicht erreichen. Und: Die Post behandele alle Massenversender gleich. Sie wolle Hilfsorganisationen keine differenzierten Konditionen anbieten, lautet die Kritik.
Um steigende Kosten für das Porto kommen viele Non-Profit-Organisationen nicht herum. Spendenbriefe gewännen sogar wieder an Bedeutung, erläutert Kopf. Knapp vier Prozent mehr Geldgeber als 2014 gaben in der „Bilanz des Helfens 2015“ an, den Impuls zur Spende durch ein persönliches Schreiben bekommen zu haben. Ihr Anteil: 24,7 Prozent.
Man müsse sich die Dimensionen der Werbeaussendungen bei großen Sozialträgern klarmachen, erläutert Kopf: Es gehe hier nicht selten um zehntausend Briefe. „Da ist jeder Cent, den die Post mehr an Porto verlangt, mal 10 000 zu nehmen.“
Fundraising-Profis beklagen schon länger, dass die steigenden Verwaltungsausgaben vor allem zwei Gründe haben: Hohes Porto und Steuern auf die Versandkosten bei Mailings. Allein für den Standardbrief erhöhte die Deutsche Post AG die Entgelte zwischen 2013 und 2016 vier Mal: von 55 auf aktuell 70 Cent je Brief.
„Bereits die Einführung der Umsatzsteuer auf Porto im Juli 2010 bedeutete für Hilfsorganisationen einen Kraftakt“, sagt Anja Raubinger, Geschäftsführerin der Fundraising-Organisation van Acken in Krefeld. Dadurch habe sich der einzelne Werbebrief um 13 Prozent verteuert. Raubinger fordert, dass die Post den Non-Profit-Organisationen bessere Konditionen anbietet, denn „zum adressierten Spendenbrief gibt es bislang keine Alternative“. Weniger Mailings seien gleichbedeutend mit erheblichen Verlusten bei den Spendeneinnahmen. Und: Nur gut informierte Spender seien bereit, zu helfen.
„Alle Preissteigerungen haben das Potenzial, unseren Handlungsspielraum einzuschränken und sind nicht erfreulich“, sagt Rudi Mallasch, Abteilungsleiter Kommunikation der Bundesvereinigung Lebenshilfe. Das gelte auch für Portoerhöhungen. „Auf unabsehbare Zeit wird die schriftliche Ansprache von Förderern und potenziellen Spendern das Mittel der Wahl bleiben.“ Es sei wichtig, „dass die Spendenwerbung finanzierbar bleibt“, betont Mallasch.
Er verweist darauf, dass die Arbeit seiner Organisation ohne Spenden nicht gesichert sei: „Der Anteil der Finanzierung durch Geldspenden lag 2014 bei 41 Prozent.“ Die Lebenshilfe unterstütze deshalb die Forderung des Deutschen Fundraising-Verbandes nach Sondertarifen der Post für gemeinnützige Organisationen. Wie etwa in Österreich: Non-Profit-Organisationen erhalten hier mit der „Sponsoring-Post“ vergünstigte Bedingungen.
Auch die Steuerbelastung hierzulande ist Raubinger ein Dorn im Auge. Der Fiskus erhebe auf den Preis der Dialogpost von 28 Cent noch 19 Prozent Mehrwertsteuer: „In anderen europäischen Ländern greift der Staat Hilfsorganisationen unter die Arme statt in die Tasche.“ So gewähre Österreich den Spendenorganisationen eine Rückvergütung der Umsatzsteuer auf das Porto. In Großbritannien seien Non-Profit-Organisationen grundsätzlich von der Umsatzsteuer befreit.

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