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Rechtfertigt die Sonderstellung der Kirchen im Arbeitsrecht: die Berliner Diakoiedirektorin Susanne Kahl-Passoth. Foto: www.diakonie-portal.de

Diakoniechefin verteidigt Arbeitsrecht der Kirchen

Sonderstellung gerechtfertigt

Aus dem Archiv (22.05.2012)

Der Charakter konfessioneller Einrichtungen lässt sich nach Ansicht der Berliner Diakoniedirektorin Susanne Kahl-Passoth nur eingeschränkt gerichtlich überprüfen.

In einem epd-Gespräch verteidigte sie die Sonderstellung der Kirchen und ihrer Wohlfahrtsverbände im Arbeitsrecht. Das Bundesarbeitsgericht will im Spätsommer seine Entscheidung zum Streikverbot in kirchlichen Einrichtungen verkünden. »Es gibt keinen besonderen Rauch aus dem Schornstein«, betonte die evangelische Theologin. ## Trotzdem herrscht ihrer Ansicht nach in christlichen Einrichtungen ein besonderer Geist. »Das kann ich entweder nur selbst erleben oder im Gespräch mit Mitarbeitern herausfinden«, unterstrich Kahl-Passoth. Den Gerichten müsse aber die formale Bindung an die Kirche reichen, wie sie sich in Mitgliedschaften, Leitbildern und Satzungen niederschlage, mahnte Kahl-Passoth. Auch die Tradition und die Gründungsmotive könnten dabei eine Rolle spielen. Die Prägung der Arbeit etwa in einem konfessionellen Kindergarten oder einem Krankenhaus könne für Gerichte aber auch an der Frage ablesbar sein, inwieweit die Feste des Kirchenjahres wie Weihnachten und Ostern begangen werden und ob es seelsorgerliche und gottesdienstliche Angebote gibt. Zudem sei die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche gerade bei Leitungskräften ein wichtiges Merkmal, sagte die Direktorin des evangelischen Wohlfahrtsverbandes für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz. In untergeordneten Positionen könne sie sich aber auch die Einstellung von Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften vorstellen. Dabei sieht Kahl-Passoth allerdings Unterschiede etwa zwischen Juden und Muslimen. Juden würden »sich besser in unserer Tradition auskennen«, sagte die Direktorin. Das bedeute nicht, dass sie Muslimen mangelnden Respekt gegenüber dem Christentum unterstellen wolle. »Es geht aber um das kulturelle Wissen und den Kontext.« Kahl-Passoth verteidigte in diesem Zusammenhang das eingeschränkte Kopftuchverbot, das innerhalb ihres Verbandes für das »Freiwillige Soziale Jahr« gelte. Nach dem Protest einiger Träger sei hier bereits vor einiger Zeit ein »Kompromiss« gefunden worden. Demnach können Musliminnen mit Kopftuch ein solches Jahr in evangelischen Einrichtungen nicht in der Krankenpflege absolvieren, aber in anderen Bereichen. epd